Design Tokens als Fundament von jedem Designsystem
Design Tokens sind die grundlegendsten Bausteine eines Design System in Figma. Es handelt sich dabei um kleine, atomare Werte, die visuelle Design-Eigenschaften wie Farben, Schriftgrößen, Abstände, Radien, Schatten, Animationen und andere Stilattribute definieren. Diese Tokens werden in einer zentralisierten, plattformübergreifenden Struktur gespeichert und dienen als “Single Source of Truth” für das gesamte Erscheinungsbild einer Marke oder eines Produkts. Während Figma Variables die Implementierung von Design Tokens innerhalb von Figma darstellen, sind Design Tokens das übergeordnete Konzept, das über einzelne Tools hinausgeht.
Grundkonzept und Philosophie
Die Idee hinter Design Tokens
Design Tokens entstanden aus der Notwendigkeit, visuelle Konsistenz über immer komplexer werdende digitale Ökosysteme hinweg zu gewährleisten. Sie übersetzen abstrakte Design-Entscheidungen in konkrete, technisch nutzbare Werte, die sowohl von Designern als auch von Entwicklern verstanden und genutzt werden können.
Von statischen Werten zu dynamischen Tokens
Traditionelle Design-Systeme verwendeten oft statische Werte (z.B. color: #007AFF). Design Tokens verwandeln diese in semantische, kontextabhängige Referenzen (z.B. color: var(--color-primary)), die je nach Plattform, Theme oder anderen Bedingungen unterschiedliche Werte annehmen können.
Arten von Design Tokens
Grundlegende Token-Kategorien
Farb-Tokens
- Basiswerte:
--color-blue-500: #007AFF - Semantische Werte:
--color-primary: var(--color-blue-500) - Komponenten-spezifisch:
--color-button-background: var(--color-primary)
- Basiswerte:
Typografie-Tokens
- Schriftfamilien:
--font-family-primary: 'Inter', sans-serif - Schriftgrößen:
--font-size-sm: 0.875rem - Zeilenhöhen:
--line-height-tight: 1.2
- Schriftfamilien:
Abstands-Tokens
- Skalenwerte:
--spacing-xs: 4px,--spacing-sm: 8px,--spacing-md: 16px - Komponentenabstände:
--spacing-card-padding: var(--spacing-md)
- Skalenwerte:
Effekt-Tokens
- Schatten:
--shadow-sm: 0 1px 2px rgba(0,0,0,0.05) - Radien:
--border-radius-md: 8px - Rahmen:
--border-width-thin: 1px
- Schatten:
Animation-Tokens
- Dauer:
--duration-fast: 150ms - Easings:
--easing-default: cubic-bezier(0.4, 0, 0.2, 1)
- Dauer:
Token-Hierarchie und -Struktur
Eine typische Token-Hierarchie sieht folgendermaßen aus:
Global Tokens
- Farben
--color-blue-500: #007AFF--color-gray-300: #D1D5DB
- Typografie
--font-size-sm: 0.875rem--font-weight-bold: 700
- Abstände
--spacing-xs: 4px--spacing-sm: 8px
- Farben
Alias Tokens
--color-primary: var(--color-blue-500)--color-border: var(--color-gray-300)--text-small: var(--font-size-sm)--spacing-gutter: var(--spacing-md)
Components Tokens
- Button
--button-background: var(--color-primary)--button-border-radius: var(--border-radius-md)--button-padding: var(--spacing-sm) var(--spacing-md)
- Button
Vorteile von Design Tokens
Konsistenz und Skalierbarkeit
Design Tokens gewährleisten visuelle Konsistenz über alle Plattformen (Web, iOS, Android) und alle Components in Figma hinweg. Änderungen an globalen Tokens wirken sich automatisch auf das gesamte System aus.
Effiziente Zusammenarbeit
Designer und Entwickler sprechen die gleiche “Sprache”. Während Designer Tokens in Figma mit Figma Variables definieren, können Entwickler dieselben Tokens in ihrem Code verwenden, was den Developer Handoff erheblich erleichtert.
Theming und Personalisierung
Durch die Abstraktionsebene der Tokens lassen sich Themes (Light/Dark Mode, Marken-Varianten) einfach umsetzen, indem Token-Werte ausgetauscht werden.
Plattformübergreifende Nutzung
Design Tokens können in verschiedene Formate exportiert werden:
- CSS Custom Properties für Web-Anwendungen, z.B. für Figma Website Designs
- JSON/YAML für mobile Apps und Backend-Systeme
- Swift/Objective-C für iOS-Entwicklung
- Kotlin/XML für Android-Entwicklung
Implementierung und Workflow
Von Design zu Code: Der Token-Workflow
Definition im Design-Tool Designer erstellen Tokens in Figma mit Figma Variables und strukturieren diese in sinnvollen Kategorien und Modes (Light/Dark, Platform-spezifisch).
Export und Synchronisation Tokens werden aus Figma exportiert (manuell oder über Plugins) und in einem Token-Repository gespeichert, das für das gesamte Team zugänglich ist.
Integration in Entwicklung Entwickler importieren die Tokens in ihre Projekte und nutzen sie über entsprechende Build-Prozesse oder Design-Token-Transpiler, auch für Workflows wie Figma zu Webflow oder Figma to WordPress.
Kontinuierliche Synchronisation Bei Änderungen an Tokens werden alle betroffenen Plattformen und Komponenten automatisch aktualisiert.
Tools und Ökosystem
Neben Figma Variables gibt es spezialisierte Tools für Design Tokens:
- Style Dictionary: Ein Build-Tool von Amazon, das Design Tokens in plattformspezifische Formate transformiert
- Theo: Ein Token-Transformations-Tool von Salesforce
- Diez: Ein Framework für plattformübergreifende Design-Systeme
- Supernova: Eine Design-System-Plattform mit Token-Management
Best Practices für Design Tokens
1. Semantische Benennung verwenden
Vermeiden Sie technische oder visuelle Beschreibungen. Nutzen Sie stattdessen funktionale oder semantische Namen:
Schlechte Beispiele:
--color-dark-blue: #007AFF
--spacing-big: 24px
Gute Beispiele:
--color-primary: #007AFF
--spacing-section: 24px
2. Eine klare Hierarchie etablieren
Definieren Sie eine konsistente Struktur von globalen Tokens über Alias-Tokens bis zu Komponenten-Tokens.
3. Dokumentation ist entscheidend
Jedes Token sollte dokumentiert sein:
- Zweck und Anwendungsbereich: Wofür wird das Token verwendet?
- Bezug zu anderen Tokens: Welche anderen Tokens referenziert es?
- Verwendungsbeispiele: Konkrete Anwendungsfälle
- Änderungshistorie: Wann wurde es erstellt/geändert?
4. Für Veränderbarkeit designen
Tokens sollten leicht austauschbar sein. Nutzen Sie Referenzen zwischen Tokens, um Abhängigkeiten klar zu machen.
5. Cross-Funktionale Teams einbeziehen
Design Tokens sollten von Designern, Entwicklern und Produktmanagern gemeinsam definiert und gepflegt werden, idealerweise beginnend mit Workshops in FigJam.
Design Tokens in der Praxis
Fallstudie: Theme-Switching mit Tokens
Design Tokens ermöglichen elegantes Theme-Switching:
Light Theme Definition:
:root {
--color-background: #FFFFFF;
--color-text: #000000;
--color-primary: #007AFF;
}
Dark Theme Definition:
[data-theme="dark"] {
--color-background: #000000;
--color-text: #FFFFFF;
--color-primary: #0A84FF;
}
Komponenten-Nutzung:
.button {
background-color: var(--color-primary);
color: var(--color-text);
}
Integration mit Komponenten-Bibliotheken
Design Tokens bilden das Fundament für UI-Libraries. Moderne Komponenten-Bibliotheken wie Material-UI, Chakra UI oder eigene Lösungen werden durch Tokens gesteuert, was eine vollständige Anpassung des Erscheinungsbilds ermöglicht.
Die Zukunft von Design Tokens
KI-gestützte Token-Generierung
Ähnlich wie Figma Make Designprozesse unterstützt, werden KI-Tools helfen, Token-Systeme aus bestehenden Designs zu extrahieren oder harmonische Token-Sets zu generieren.
Dynamische, kontextabhängige Tokens
Zukünftige Token-Systeme werden noch kontextbewusster sein und sich automatisch an Faktoren wie Gerätetyp, Nutzerpräferenzen oder Umgebungsbedingungen anpassen.
Verbesserte Tool-Integration
Die Integration zwischen Design-Tools wie Figma und Entwicklungs-Umgebungen wird nahtloser, mit automatischer Token-Synchronisation und Echtzeit-Vorschauen, die auch im Dev Mode in Figma sichtbar sind.
Token-basierte Design-System-Metriken
Design Tokens werden nicht nur visuelle Eigenschaften definieren, sondern auch Design-System-Metriken wie Konsistenz-Scores, Compliance-Level und Nutzungsstatistiken ermöglichen.
Fazit: Design Tokens sind mehr als nur eine technische Implementierung von Design-Entscheidungen – sie sind das verbindende Element zwischen Design und Entwicklung, das konsistente, skalierbare und anpassbare digitale Erlebnisse ermöglicht. Sie bilden das Rückgrat moderner Design-Systeme und ermöglichen eine effiziente Zusammenarbeit in cross-funktionalen Teams. Während Figma Variables die praktische Umsetzung in Figma darstellen und Teil des Figma Buzz sind, bilden Design Tokens das konzeptionelle Fundament, das über einzelne Tools hinausgeht. Im Kontext des Vergleichs von Design-Tools zeigen Design Tokens den strategischen Wert professioneller Design-Systeme gegenüber ad-hoc Design-Ansätzen wie in Canva. Sie sind essentiell für Teams, die Wert auf langfristige Wartbarkeit, Markenkonsistenz und effiziente Entwicklung legen, und können in Figma Slides präsentiert werden. Die Planung kann bereits im Wireframe und bei der Erstellung von High-Fidelity-Prototypen beginnen.
