Was sind Primärfarbe und Sekundärfarbe im Markendesign

Im Corporate Design bezeichnet die Primärfarbe die Hauptfarbe einer Marke, die Sekundärfarbe ergänzende Farbtöne. Beide werden in allen Medien konsistent und mit exakten Farbwerten eingesetzt.

Primär- und Sekundärfarbe: das Farbsystem der Marke

Im Markendesign ist die Primärfarbe die dominante Hauptfarbe einer Marke – die Farbe, die am stärksten mit dem Unternehmen assoziiert wird und in allen Medien als zentrales Farbelement eingesetzt wird.

Sekundärfarben sind ergänzende Farbtöne, die das Farbsystem vervollständigen. Sie unterstützen die Primärfarbe, ohne sie zu überlagern, und ermöglichen gestalterische Flexibilität bei gleichzeitiger Markenkonsistenz.

Gemeinsam bilden sie die Markenpalette, die im Corporate Design verbindlich festgelegt und in den Brand Guidelines exakt dokumentiert wird.

Warum exakte Farbdefinitionen unverzichtbar sind

Farben verhalten sich je nach Medium und Ausgabeformat unterschiedlich. Dieselbe Farbe sieht auf einem kalibrierten Designermonitor anders aus als auf einem günstigen Laptop-Display, anders als auf mattem Offsetpapier und anders als auf einer Außenwerbung. Ohne präzise Farbdefinitionen entsteht eine schleichende Farbdrift, bei der jede Agentur, Druckerei und Plattform die Markenfarbe leicht anders interpretiert.

Deshalb wird jede Markenfarbe in mehreren Farbsystemen definiert:

  • HEX-Wert: Für Web und digitale Medien (z. B. #2B4C8C)
  • RGB-Wert: Für Bildschirmdarstellung (z. B. R 43, G 76, B 140)
  • CMYK-Wert: Für Offsetdruck (z. B. C 69, M 46, Y 0, K 45)
  • Pantone-Farbe: Für Sonderfarben im hochwertigen Druck, auf Merchandise oder Verpackungen, wo eine exakte Farbwiedergabe erforderlich ist

Alle diese Werte werden in den Brand Guidelines verbindlich dokumentiert.

Aufbau einer Markenpalette

Eine vollständige Markenpalette umfasst typischerweise drei Ebenen:

Primärfarbe: Die Hauptfarbe der Marke. Sie prägt den ersten Eindruck und wird am konsequentesten eingesetzt – im Logo, auf Hauptflächen und in zentralen UI-Elementen.

Sekundärfarben: Ein bis drei ergänzende Farbtöne. Sie schaffen Varianz, strukturieren Inhalte und ermöglichen eine differenziertere Gestaltung, ohne die Primärfarbe zu konkurrenzieren.

Neutrale Farben: Meist Weiß, Schwarz oder Grautöne. Sie bilden die Basis für Hintergründe, Fließtext und strukturelle Elemente und sorgen dafür, dass die Markenfarben zur Geltung kommen.

Einsatzregeln für Farben

Ein häufiger Fehler: Farben werden definiert, aber nicht geregelt, wo und wie sie eingesetzt werden. Gute Brand Guidelines legen deshalb Einsatzregeln fest:

  • Welche Farbe hat welche Rolle? (Primär, Akzent, Hintergrund, Text)
  • Welche Farbkombinationen sind erlaubt – und welche nicht?
  • Welche Kontrastverhältnisse müssen für Barrierefreiheit eingehalten werden?
  • Wie verhält sich die Palette auf dunklen Hintergründen (Dark Mode)?

Farbe als strategisches Markenelement

Die Wahl der Markenfarben ist eine strategische Entscheidung, keine ästhetische. Sie hängt direkt mit der Markenpersönlichkeit zusammen: Welche Wirkung soll die Marke erzielen? Welche Eigenschaften sollen kommuniziert werden? Wie grenzt sich die Farbwahl vom direkten Wettbewerb ab?

Blau wirkt in vielen Kontexten vertrauenswürdig und kompetent, wird aber von so vielen Marken verwendet, dass es kaum differenziert. Grün signalisiert Nachhaltigkeit, Orange Energie und Zugänglichkeit. Schwarz wirkt premium und reduziert. Diese Assoziationen sind kulturell geprägt und variieren je nach Zielgruppe und Markt.

Checkliste: Markenfarben bewerten

  • Primärfarbe ist mit HEX, RGB, CMYK und Pantone definiert
  • Sekundärfarben sind dokumentiert und auf die Primärfarbe abgestimmt
  • Neutrale Farben sind festgelegt
  • Einsatzregeln (Rollen, Kombinationen) sind definiert
  • Kontrastverhältnisse für Barrierefreiheit sind geprüft
  • Alle Werte sind in den Brand Guidelines zugänglich

Fazit

Primär- und Sekundärfarben sind weit mehr als ästhetische Entscheidungen – sie sind ein funktionales System, das Wiedererkennung schafft und die Markenpersönlichkeit visuell trägt. Ihre Wirkung entfalten sie nur dann vollständig, wenn sie präzise definiert, konsequent eingesetzt und in allen Medien korrekt umgesetzt werden. Im Rahmen eines professionellen Markendesigns werden Farben immer gemeinsam mit Logo, Typografie und Bildsprache entwickelt.

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