Figma Variants

Figma Variants bündeln mehrere Zustände einer Komponente, zum Beispiel Default, Hover oder Disabled, und erleichtern so die systematische UI-Arbeit in Teams.

Figma Variants sind eine Methode, um mehrere Zustände, Typen oder Größen einer einzelnen Komponente innerhalb eines strukturierten und leicht zu verwaltenden Systems zu bündeln. Sie erweitern das Konzept von Components in Figma und ermöglichen es Designern, komplexe UI-Bibliotheken mit Hunderten von interaktiven Zuständen (wie Default, Hover, Pressed, Disabled) oder stilistischen Varianten (wie Primary, Secondary, Small, Large) sauber und intuitiv zu organisieren. Diese Systematik ist ein Schlüsselmerkmal professioneller Design-Workflows und hebt Figma deutlich von einfacheren, vorlagenbasierten Tools wie Canva ab, wie im umfassenden Vergleich erläutert.

Das Grundprinzip: Eine Komponente, viele Gesichter

Von verstreuten Einzelkomponenten zu einem Varianten-Set

Ohne Variants würde ein Design-System für einen Button wahrscheinlich so aussehen: Button Primary, Button Primary Hover, Button Secondary, Button Secondary Disabled – alles separate, unverbundene Components. Variants packen diese logisch zusammengehörigen Elemente in ein einziges, intelligentes Component-Set.

Eigenschaften (Properties) definieren die Varianten

Jede Variante innerhalb eines Sets wird durch die Werte bestimmter Properties definiert. Die beiden häufigsten Property-Typen sind:

  1. Variant (der Standard-Typ): Definiert den grundlegenden Typ (z.B., Primary, Secondary, Tertiary).
  2. State (Zustand): Definiert den interaktiven Zustand (z.B., Default, Hover, Pressed, Disabled, Loading). Eine Button-Variante könnte also durch die Kombination Variant: Primary + State: Hover eindeutig beschrieben werden.

Vorteile und praktischer Nutzen von Variants

1. Übersichtliche und intuitive Komponenten-Bibliotheken

In der Assets-Panel erscheint nicht eine unüberschaubare Liste einzelner Buttons, sondern ein kompaktes Button-Set. Durch Klicken auf dieses Set öffnet sich ein Auswahlmenü, in dem der Designer die gewünschte Kombination aus Variant und State visuell auswählen kann. Diese Benutzerfreundlichkeit beschleunigt den Designprozess erheblich.

2. Nahtloses Prototyping und Interaktionen

Variants sind der heimliche Star des Figma-Prototyping. Beim Verknüpfen von Frames kann eine Interaktion (z.B. “While Hovering”) nicht nur zu einem anderen Frame, sondern direkt zu einer anderen Variante derselben Komponente führen.

  • Beispiel: Ein Button mit State: Default ändert sich bei Mouse Hover per Smart Animate zu State: Hover. Dies geschieht ohne zusätzliche Frames und erstellt extrem saubere, performante Prototypen.

3. Effizientes Management und Updates

Ändert sich das Design des Primary-Buttons (z.B. seine Border-Radius), muss diese Änderung nur im Master der Primary-Varianten vorgenommen werden. Alle Zustände (Default, Hover, Pressed) dieser Variante erben die Änderung automatisch. Dies spart immense Wartungszeit.

4. Perfekte Symbiose mit anderen Figma-Features

  • Auto Layout: Jede Variante kann ihr eigenes Auto Layout in Figma haben, das sich an unterschiedliche Inhalte anpasst.
  • Variables: Properties von Variants (z.B. Hintergrundfarbe) können direkt auf Figma Variables verweisen. So kann durch Ändern einer Variable oder Wechseln eines Modes (Light/Dark) das gesamte Variant-Set thematisch angepasst werden.
  • Dev Mode: Entwickler sehen im Dev Mode in Figma klar, welche Variante und welche Properties verwendet wurden, was die Implementierung vereinfacht.

Erstellung und Strukturierung von Variant-Sets

Schritt-für-Schritt zur ersten Variant

  1. Grundkomponente erstellen: Designen Sie den häufigsten Zustand (z.B., Button/Primary/Default).
  2. In Variant umwandeln: Klicken Sie im rechten Panel auf “Combine as variants”. Figma erstellt das erste Variant-Set.
  3. Varianten duplizieren und anpassen: Duplizieren Sie die Master-Variante im Canvas und passen Sie sie für einen neuen Zustand an (z.B., Farbe für Hover ändern). Figma erkennt sie automatisch als neue Variante und fügt sie dem Set hinzu.
  4. Properties definieren: Weisen Sie im Design-Panel den neuen Varianten sinnvolle Property-Werte zu (z.B., State: Hover).

Organisatorische Best Practices

  • Logische Property-Namen nutzen: Verwenden Sie Type oder Size anstelle des generischen Variant, wenn es semantisch passt.
  • Ordnung der Varianten steuern: Die Reihenfolge der Properties im Panel bestimmt, wie die Varianten im Auswahl-Dropdown angeordnet sind. Die wichtigste Eigenschaft (z.B. Type) sollte zuerst kommen.
  • Für komplexe Komponenten: Komponenten wie Data-Tables oder komplexe Cards können mehrere Properties haben (z.B., Density: Compact/Regular, State: Selectable/Selected).

Vergleich: Variants vs. Einzelkomponenten vs. Andere Tools

SzenarioLösung mit Figma VariantsLösung mit einzelnen ComponentsMöglichkeit in Canva
Button mit 3 Typen und 4 ZuständenEin kompaktes Set mit 12 Varianten, über Properties leicht auswählbar.12 separate Components in der Bibliothek, unübersichtlich und schwer zu warten.Manuelles Duplizieren und Anpassen von Elementen oder Vorlagen; keine systemische Verknüpfung.
Änderung der Hover-Farbe aller ButtonsFarbe in der Hover-Variante jeder Button-Type-Gruppe ändern.Jeden einzelnen der * Hover-Components suchen und manuell ändern.Jede Instanz manuell suchen und ändern; extrem fehleranfällig.
Prototyping eines Hover-EffektsDirekte Interaktion zwischen Varianten desselben Component-Sets; saubere Animation.Interaktion muss zu einem separaten Frame/Component führen; unübersichtlicherer Flow.Sehr eingeschränkte Interaktionsmöglichkeiten, meist nur einfache Animationen.
Handoff an EntwicklerKlare Spezifikation: “Verwende Button-Komponente mit Properties Type=Secondary, State=Disabled”.Entwickler muss den korrekten “Disabled Secondary”-Component aus vielen finden.Kein strukturierter Handoff; meist visuelle Referenz und manuelle Umsetzung.

Fortgeschrittene Anwendung: Bedingte Varianten und Overrides

Bedingte Logik mit Variants

In Kombination mit Figma Variables (insbesondere Boolean Variables) können Variants auf komplexe Bedingungen reagieren. Beispiel: Eine Alert-Komponente könnte ihre Variante (Type: Success/Error/Warning) basierend auf dem Wert einer String-Variable ändern.

Intelligente Property-Overrides

Auch in einer Varianten-Instanz können bestimmte Eigenschaften überschrieben werden, z.B. der Text oder ein Icon. Diese Overrides bleiben beim Wechsel zwischen den Varianten (z.B. von Default zu Hover) typischerweise erhalten, was für dynamische Prototypen essentiell ist.

Integration in den gesamten Design-Workflow

Vom Workshop zur Implementation

Die Planung komplexer Komponenten mit Variants kann idealerweise in FigJam-Workshops beginnen, wo das Team alle benötigten Zustände und Varianten brainstormt. Diese Vorarbeit beschleunigt die technische Umsetzung in Figma erheblich.

Automatisierung und Skalierung

Nutzen Sie Figma Make, um die Erstellung von Variants zu automatisieren – insbesondere bei systematischen Änderungen oder bei der Generierung vieler Varianten aus Datenquellen.

Präsentation und Dokumentation

Nutzen Sie Figma Slides, um die Logik und Anwendung Ihrer Variant-Sets in Design-Reviews oder für Onboarding-Materialien anschaulich zu präsentieren.

Fazit: Figma Variants sind nicht nur ein Organisationsfeature – sie sind ein fundamentaler Baustein für den Entwurf lebendiger, interaktiver und systematischer Benutzeroberflächen. Sie verkörpern den Übergang vom statischen Screendesign zum dynamischen Komponenten-Engineering. Diese Fähigkeit, Zustände und Varianten in einer logischen, für Designer und Entwickler gleichermaßen verständlichen Struktur abzubilden, ist ein Hauptgrund für die überlegene Effizienz von Figma in der professionellen Produktentwicklung. Sie tragen maßgeblich zum Figma Buzz bei und verdeutlichen den qualitativen Sprung, den Figma gegenüber All-in-One-Tools wie Canva bietet – ein entscheidender Punkt, der im direkten Tool-Vergleich hervorgehoben wird. Für Teams, die Wert auf Skalierbarkeit, Konsistenz und interaktive Fidelity legen, sind Variants unverzichtbar.