Components in Figma

Components in Figma sind wiederverwendbare UI-Bausteine, die Konsistenz sichern und Änderungen über mehrere Screens hinweg zentral steuerbar machen.

Components in Figma sind wiederverwendbare, zentrale UI-Bausteine, die als Fundament für konsistente und effiziente Design-Systeme dienen. Ähnlich wie Code-Komponenten in der Frontend-Entwicklung erlauben sie es Designern, ein Master-Element zu erstellen und dieses in unzähligen Instanzen im gesamten Projekt zu nutzen. Diese systematische Herangehensweise unterscheidet Figma fundamental von vorlagenbasierten Tools wie Canva und ist ein zentraler Punkt im Vergleich der beiden Plattformen.

Das Grundprinzip: Master und Instanzen

Der Master-Component (Hauptkomponente)

Dies ist die einzig wahre Quelle. Der Master-Component wird einmalig erstellt und definiert alle Eigenschaften eines UI-Elements – wie seine Struktur, Farben, Text-Styles, Größe und Layout (oft mittels Auto Layout in Figma). Beispiele sind Buttons, Eingabefelder, App-Bars oder komplexere Elemente wie Produktkarten.

Die Instanzen (Instances)

Instanzen sind Kopien des Masters, die im gesamten Design platziert werden können. Sie sind verknüpft: Änderungen am Master-Component (z.B. eine neue Hintergrundfarbe für den Button) werden automatisch auf alle seine Instanzen übertragen. Jede Instanz kann jedoch überschriebene Eigenschaften haben, wie Textinhalt, Icons oder individuelle Farben bei Beibehaltung der Grundstruktur.

Die transformative Wirkung auf den Design-Workflow

1. Garantierte visuelle Konsistenz

Durch die Verwendung von Components wird sichergestellt, dass ein “Primärer Button” auf jeder Seite, in jedem Flow und für jeden Designer im Team genau gleich aussieht. Dies eliminiert subtile Inkonsistenzen, die bei manuellem Kopieren und Einfügen entstehen.

2. Dramatische Effizienzsteigerung

Stellen Sie sich vor, Ihr Unternehmen ändert sein Logo oder das Design einer Kernkomponente. Ohne Components müssten Sie hunderte Screens manuell aktualisieren. Mit Components ändern Sie einmal den Master, und alle Instanzen im gesamten Projektfile (und sogar über Files hinweg, wenn eine Bibliothek genutzt wird) werden aktualisiert. Dies spart unzählige Arbeitsstunden.

3. Kollaboration und Skalierung in Teams

Components sind das Rückgrat der Teamarbeit in Figma:

  • Geteilte Bibliotheken: Teams können ihre Master-Components in einer Bibliothek veröffentlichen. Jedes Teammitglied kann diese Bibliothek in seinen Projekten einbinden und die Components nutzen.
  • Systematisches Arbeiten: Neue Teammitglieder können schnell produktiv sein, indem sie auf das vordefinierte Set an Components zurückgreifen, anstatt jedes Element neu zu erfinden.

4. Nahtloser Handoff an Entwickler

Ein sauberes Component-System übersetzt sich direkt in eine verständliche Komponenten-Struktur im Code. Im Dev Mode in Figma kann ein Entwickler sofort erkennen, aus welcher Komponente ein Element stammt, deren Eigenschaften einsehen und den zugehörigen Code inspizieren.

Fortgeschrittene Konzepte und Strukturen

Variants: Die Evolution der Komponenten

Während ein einfacher Component einen Zustand darstellt (z.B. “Default Button”), erlauben Figma Variants das Bündeln mehrerer verwandter Zustände in einer einzigen, intelligenten Komponente. So können Sie “Button” als übergeordnete Component haben, die Variants für “Primary/Default”, “Primary/Hover”, “Secondary/Default”, “Disabled” etc. enthält. Dies strukturiert komplexe Design-Systeme extrem elegant.

Properties und Variablen-Integration

Moderne Components in Figma nutzen Properties (Eigenschaften), um überschreibbare Werte gezielt zu steuern. Diese können mit Figma Variables verknüpft werden, was die Kontrolle auf eine neue Ebene hebt.

  • Eine Button-Component kann eine Background Color-Property haben, die auf die Variable --color-primary verweist.
  • Durch Änderung dieser einen Variable oder durch Wechseln des Modes (z.B. auf “Dark”) ändert sich die Farbe aller Buttons, die diese Property nutzen.

Nested Components (Verschachtelte Komponenten)

Die wahre Leistungsfähigkeit entfaltet sich, wenn man Components innerhalb anderer Components verwendet. Eine Search Bar-Component kann aus folgenden Components bestehen:

  1. Ein Input Field-Component
  2. Ein Icon Button-Component (für das Such-Icon)
  3. Ein Text-Component (für Platzhalter) Diese Verschachtelung ermöglicht extrem flexible und dennoch konsistente, hochkomplexe UI-Strukturen.

Vergleich mit vorlagenbasierten Ansätzen

AnforderungLösung mit Figma ComponentsAnsatz in Canva (Vorlagen/Brand Kits)
Konsistenz über 100+ ScreensEin Master-Component, hunderte verknüpfte Instanzen. Globale Änderung in Sekunden.Manuelles Kopieren von Gruppierungen oder Nutzung von “Brand Kits” für Farben/Schriften, aber keine verknüpfte Elemente.
Verwaltung verschiedener ZuständeStrukturierte Verwaltung via Figma Variants in einer Component.Separate Vorlagen oder manuelle Duplizierung und Anpassung für jeden Zustand.
Skalierung im großen TeamZentrale, geteilte Bibliothek. Alle nutzen dieselbe, aktuelle Quelle.Herausfordernd; Abhängig von manueller Disziplin und Dateifreigabe.
Prototyping mit interaktiven ElementenKomponenten können direkt mit Interaktionen verknüpft werden (z.B. Hover-Varianten).Eingeschränkt; Interaktivität ist oft auf einfache Animationen beschränkt, nicht auf Komponentenlogik.

Best Practices für effektive Components

1. Beginnen Sie mit den Atoms

Start small. Definieren Sie zuerst die kleinsten, unteilbaren Bausteine (Atoms): Buttons, Inputs, Icons, Labels. Bauen Sie daraus dann komplexere Moleküle (Molecules) und Organismen (Cards, Navigation) auf. Dieser “Atomic Design”-Ansatz schafft Klarheit und Flexibilität.

2. Nutzen Sie Auto Layout von Beginn an

Erstellen Sie Ihre Master-Components immer mit Auto Layout in Figma. Dies macht sie von Grund auf responsiv und erleichtert das spätere Austauschen von Inhalten in den Instanzen enorm.

3. Definieren Sie klare Properties

Nutzen Sie die Properties-Felder für alles, was in einer Instanz überschrieben werden soll: Text, Icons, Farbe (via Variablen-Verweis), Bild. So behalten Sie die Kontrolle darüber, was Teammitglieder ändern können.

4. Automatisieren Sie die Wartung

Nutzen Sie Figma Make oder spezialisierte Plugins, um repetitive Aufgaben bei der Component-Erstellung oder -Aktualisierung zu automatisieren, wie das Generieren von Figma Variants aus einer Datentabelle.

5. Integration in den gesamten Workflow

Components sind nicht isoliert zu betrachten. Ihre Planung kann in FigJam beginnen, ihre Implementierung wird durch Dev Mode in Figma erleichtert, und ihre Verwaltung profitiert von den strukturellen Vorteilen von Figma Variables.

Fazit: Components in Figma sind weit mehr als nur “symbole” oder “wiederverwendbare Gruppen”. Sie sind die konzeptionelle Brücke zwischen Design und Engineering und der Schlüssel, um Design-Arbeit von einer kreativen Kunst in eine skalierbare, systematische Disziplin zu verwandeln. Sie ermöglichen die Geschwindigkeit, Konsistenz und Teamskalierung, die moderne Produktentwicklung erfordert. Diese systemische Tiefe ist es, die Figma zum unangefochtenen Standard für professionelle UI/UX-Teams macht und einen deutlichen Kontrast zu den vereinfachten Ansätzen von All-in-One-Tools wie Canva darstellt – ein Unterschied, der im Hauptvergleich auf unserem Blog ausführlich diskutiert wird. Der konsequente Einsatz von Components ist ein Haupttreiber für den produktivitätssteigernden Figma Buzz in der Industrie.