TL;DR – Die schnelle Zusammenfassung
Figma und Canva sind beide herausragende Design-Tools, aber für grundverschiedene Anwender und Zwecke. Figma ist das professionelle UI/UX-Design-Tool für Teams, die komplexe digitale Produkte wie Websites, Apps oder Design-Systeme entwickeln. Es glänzt durch präzise Werkzeuge, Echtzeit-Kollaboration und Prototyping – ist aber mit einer steilen Lernkurve verbunden.
Canva ist die All-in-One-Lösung für Nicht-Designer, die schnell ansprechende Grafiken, Social-Media-Inhalte oder Präsentationen erstellen wollen – mit Millionen von Templates, Drag-and-Drop und extrem einfacher Bedienung.
Die Wahl ist keine Frage von “besser”, sondern von Ihrem konkreten Anwendungsfall, Team-Setup und Design-Kenntnissen.
- Für schnelle Marketing-Assets: Canva.
- Für professionelle UI/UX-Designs: Figma.
Kernunterschiede auf einen Blick:
| Kategorie | Canva gewinnt bei… | Figma gewinnt bei… |
|---|---|---|
| Einstieg | Einfachheit, sofortige Ergebnisse | Präzision, kreative Freiheit |
| Lernkurve | Minuten | Wochen/Monate |
| Templates | 5M+ (Quantität) | 300+ (Spezialisierung) |
| Kollaboration | Einfaches Teilen & Kommentieren | Echtzeit-Editing mit Team |
| Preis (Pro-Version) | $12.99/Monat | $15/Monat (pro Editor) |
| Bestes Einsatzgebiet | Marketing, Social Media, Präsentationen | UI/UX, Prototyping, Web/App-Design |
Wenn Sie nur eine Empfehlung brauchen: Sind Sie Marketer oder Solo-Gründer? → Canva. Arbeiten Sie in Produktentwicklung oder Design? → Figma.
1. Einleitung: Der große Design-Irrtum
Sie stehen vor einer klassischen Modern-Work-Dilemma: Sie müssen etwas Visuelles erstellen – sei es ein Social-Media-Post, eine Präsentation oder ein Website-Prototyp – und haben zwei Tools zur Auswahl, die überall genannt werden: Figma und Canva.
Doch hier liegt der erste Irrtum: Der Vergleich “Figma vs. Canva” ist ähnlich unsinnig wie “Schraubenzieher vs. Hammer”. Beide sind Werkzeuge, aber für grundlegend unterschiedliche Arbeiten konzipiert.
Die zwei Welten der digitalen Gestaltung
Stellen Sie sich diese Szene vor: Sarah, Marketingspezialistin in einem Startup, braucht dringend Grafiken für eine Instagram-Kampagne. Sie hat keine Design-Ausbildung, aber ein Auge für Ästhetik. Sie loggt sich in Canva ein, wählt aus Tausenden Vorlagen, passt Texte und Farben an – und nach 20 Minuten hat sie fünf professionell aussehende Posts.
Im gleichen Unternehmen sitzt Tom, UI/UX-Designer. Er entwickelt das neue Onboarding für die Mobile-App. Er braucht präzise Kontrolle über jedes Pixel, muss Interaktionen prototypen und mit Entwicklern zusammenarbeiten. Für ihn wäre Canva eine frustrierende Einschränkung. Figma gibt ihm die Werkzeuge, die er benötigt.
Die Verwirrung entsteht, weil beide Tools im weitesten Sinne “Design-Software” sind. Doch während Canva Sie mit vorgefertigten Bausteinen zum Ziel führt, stellt Ihnen Figma eine leere Leinwand und professionelle Werkzeuge zur Verfügung – und erwartet, dass Sie wissen, wie man sie benutzt.
Was dieser Artikel leistet (und was nicht)
Dies ist kein klassischer “Welches Tool ist besser?"-Vergleich. Stattdessen bieten wir Ihnen eine Entscheidungsmatrix, die auf realen Anwendungsfällen basiert. Wir werden:
- Die DNA beider Tools entschlüsseln – warum sie so unterschiedlich sind
- Kategorie für Kategorie vergleichen – von Einfachheit bis Preisgestaltung
- Klare Einsatzszenarien aufzeigen – wann welches Tool sinnvoll ist
- Praktische Entscheidungshilfen geben – inklusive der Möglichkeit, beide zu nutzen
Am Ende werden Sie nicht nur wissen, welches Tool für Ihre aktuellen Projekte passt, sondern auch verstehen, warum es passt – und wann es Zeit sein könnte, zum anderen zu wechseln.
Bevor wir in die Details einsteigen, eine wichtige Feststellung: Beide Tools haben exzellente kostenlose Versionen. Die beste Methode, um herauszufinden, was zu Ihnen passt, ist: Ausprobieren. Doch um Ihnen diese Testphase zu erleichtern, liefern wir hier alle Informationen, die Sie für eine fundierte Entscheidung brauchen.
2. Die DNA-Entschlüsselung: Zwei Welten, zwei Philosophien
Um zu verstehen, warum Figma und Canva sich so fundamental unterscheiden, lohnt ein Blick auf ihre Ursprünge und Kernphilosophien. Diese “DNA” prägt bis heute jedes Feature, jede Benutzeroberfläche und jede Zielgruppenansprache.
Canva: Die Demokratisierung des Designs
Gegründet: 2013 in Australien
Mission: “Design für alle zugänglich machen”
Gründerin: Melanie Perkins
Nutzerbasis: Über 130 Millionen monatlich aktive Nutzer (Stand 2025)
Canvas Geschichte beginnt mit einer einfachen Beobachtung: Design-Software wie Adobe Photoshop war für die meisten Menschen zu komplex, zu teuer und zu zeitaufwendig zu lernen. Melanie Perkins, damals selbst Design-Lehrerin, sah, wie ihre Schüler mit den traditionellen Tools kämpften.
Die Lösung war radikal anders: Anstatt Benutzer mit leeren Leinwänden zu konfrontieren, bietet Canva vorgefertigte Bausteine. Die Philosophie ist template-first: Sie beginnen nie bei null. Ob Social-Media-Post, Präsentation oder Flyer – es gibt immer einen Startpunkt.
Diese Herangehensweise hat Canva zum “Werkzeug für Nicht-Designer” gemacht. Die Kernidee: Jeder sollte in der Lage sein, professionell aussehende Grafiken zu erstellen, ohne Jahre an Design-Kenntnissen vorweisen zu müssen. Es ist das digitale Äquivalent zu Möbelbau-Sets im Gegensatz zur Holzwerkstatt mit Sägen und Hobeln.
Figma: Kollaboration als Design-Grundprinzip
Gegründet: 2012 in den USA
Mission: “Design im Browser für alle zugänglich machen”
Gründer: Dylan Field und Evan Wallace
Besonderheit: Erstes bedeutendes browserbasiertes Design-Tool
Während Canva die Design-Erstellung demokratisieren wollte, hatte Figma ein anderes Problem im Blick: die Fragmentierung des Design-Prozesses. Vor Figma arbeiteten Designer in isolierten Tools wie Sketch oder Adobe XD, teilten statische Bilddateien und kämpften mit Versionierungs-Chaos.
Figmas revolutionärer Ansatz war doppelt: Erstens, browserbasiertes Arbeiten (keine Installation nötig). Zweitens und entscheidender: Echtzeit-Kollaboration wie bei Google Docs, aber für Design.
Diese DNA macht Figma zum Tool für Teams. Es wurde nicht für die Solo-Content-Erstellung gebaut, sondern für den gesamten Design-to-Development-Workflow. Die leere Leinwand ist kein Manko, sondern Absicht: Sie gibt Profis die volle Kontrolle über jedes Detail.
DNA-Vergleich: Die philosophischen Grundunterschiede
| Aspekt | Canva | Figma |
|---|---|---|
| Gründungsphilosophie | Design demokratisieren – für alle zugänglich machen | Design-Kollaboration revolutionieren – Teams zusammenbringen |
| Metapher | Baukasten-System mit vorgefertigten Teilen | Professionelle Werkstatt mit leeren Leinwand |
| Primärer Fokus | Geschwindigkeit & Zugänglichkeit | Präzision & Kollaboration |
| Design-Ansatz | Template-first (beginnen mit Vorlage) | Canvas-first (beginnen mit leerer Fläche) |
| Zielkonflikt | Einfachheit vs. Flexibilität | Kontrolle vs. Zugänglichkeit |
| Team-Modell | Einzelperson erstellt, Team kommentiert | Team erstellt gemeinsam in Echtzeit |
| Lern-Modell | “Drag & Drop” – sofortige Ergebnisse | “Werkzeug beherrschen” – langfristige Kompetenz |
| Wertversprechen | “Professionelle Designs in Minuten” | “Pixel-perfekte Kontrolle für Teams” |
Die zunehmende Annäherung (und warum die Grenzen bleiben)
Interessanterweise bewegen sich beide Tools leicht aufeinander zu:
- Canva führt immer komplexere Features ein (wie den Website-Builder oder erweiterte KI-Tools)
- Figma erweitert sein Template-Angebot und vereinfacht den Einstieg mit Features wie “Figma Slides”
Doch die Kern-DNA bleibt erhalten. Canva wird nie die gleiche Präzision wie Figma bieten – das würde seine Einfachheit zerstören. Figma wird nie Millionen von Marketing-Templates anbieten – das widerspräche seinem Fokus auf professionelle, maßgeschneiderte Arbeit.
Die praktische Konsequenz: Wenn Sie die DNA verstehen, können Sie vorhersagen, welches Tool Ihre spezifischen Bedürfnisse besser erfüllen wird. Ein Tool für schnelle, gute Ergebnisse (Canva) und ein Tool für maßgeschneiderte, präzise Arbeit (Figma) – beide haben ihren Platz, aber nicht für dieselben Aufgaben.
Diese grundlegenden Unterschiede manifestieren sich in jedem Aspekt, den wir nun vergleichen werden.
3. Der ultimative Direktvergleich: Kategorie für Kategorie
Nachdem wir die grundlegenden Philosophien verstanden haben, schauen wir uns jetzt an, wie sich diese in der praktischen Anwendung auswirken. Wir vergleichen sechs Schlüsselkategorien, die für Ihre Entscheidung am wichtigsten sind.
3.1 Einfachheit & Lernkurve: Der Einstiegstest
Canva: Der sofortige Erfolg
Stellen Sie sich vor, Sie öffnen Canva zum ersten Mal. Was sehen Sie? Keine leere, einschüchternde Leinwand. Stattdessen: Eine Suchleiste mit der Frage “Was möchtest du designen?” und Tausende von Vorschlägen. Das ist das Template-First-Prinzip in Aktion.
- Erste Ergebnisse in Minuten: Selbst absolute Anfänger erstellen innerhalb der ersten 10 Minuten ansehnliche Designs
- Drag-and-Drop-Intuition: Elemente werden magnetisch angezogen, Ausrichten geschieht automatisch
- Keine Fachbegriffe nötig: Sie müssen nicht wissen, was “Layer” oder “Vector Networks” sind
- Mobile App als Verlängerung: Die Canva-App bietet fast volle Funktionalität – perfekt für unterwegs
Die Kehrseite: Diese Einfachheit kommt mit begrenzter Kontrolle. Möchten Sie den Abstand zwischen zwei Buchstaben um 0,5 Pixel verringern? In Canva meist nicht möglich. Das Tool entscheidet für Sie, was “gut genug” ist – und für Marketing-Grafiken ist das meist ausreichend.
Figma: Die professionelle Werkstatt
Der erste Start in Figma fühlt sich anders an. Sie sehen eine minimalistische Oberfläche mit Werkzeugleisten, die an Photoshop erinnern. Es gibt keine vorgefertigten Templates in der Hauptansicht (diese müssen Sie extra suchen).
- Lernkurve von Wochen bis Monaten: Um Figma effektiv zu nutzen, müssen Sie Konzepte wie Components, Auto-Layout und Constraints verstehen
- Präzision auf Pixelebene: Jedes Element kann millimetergenau platziert und angepasst werden
- Tastaturkürzel sind essentiell: Ohne Shortcuts arbeitet man ineffizient
- Strukturelles Denken erforderlich: Gutes Figma-Design erfordert Planung und Systematik
Die Belohnung für die investierte Lernzeit: Absolute kreative Freiheit. Was immer Sie sich vorstellen können, können Sie in Figma umsetzen – vorausgesetzt, Sie beherrschen die Werkzeuge.
Verdikt: Canva gewinnt klar in dieser Kategorie – wenn Einfachheit und schnelle Ergebnisse Ihr Hauptkriterium sind.
3.2 Features & Gestaltungsfreiheit: Das kreative Potenzial
Canva: Das “Template-Königreich”
Canvas Feature-Stärke liegt in der Breite und Zugänglichkeit:
- 5 Millionen+ Templates: Für praktisch jeden Anwendungsfall existieren Dutzende Vorlagen
- 141 Millionen+ Stock-Assets: Fotos, Videos, Grafiken, Icons – alles integriert
- Magic Studio (KI): Hintergrundentfernung, Bildgenerierung, Text-to-Design
- Videobearbeitung: Grundlegende Schnittfunktionen direkt im Tool
- Druckprodukte: Direktbestellung von Visitenkarten, Flyern etc.
Doch das “Königreich” hat Grenzen:
- Vector-Bearbeitung: Sehr eingeschränkt – kein echter Pen Tool für individuelle Formen
- Layout-Kontrolle: Begrenzte Möglichkeiten für komplexe Raster und Abstände
- Wiederholbare Komponenten: Basic im Vergleich zu Figmas Component-System
Figma: Die Werkstatt mit unbegrenzten Möglichkeiten
Figmas Stärke ist die Tiefe und Präzision:
- Vector Networks: Fortgeschrittene Vektor-Bearbeitung, die Illustrator Konkurrenz macht
- Component-System: Master-Komponenten, die global aktualisiert werden können
- Auto-Layout: Responsive Designs, die sich automatisch an Inhalte anpassen
- 1.800+ Plugins: Von Icon-Bibliotheken bis zu komplexen Prototyping-Erweiterungen
- Prototyping & Interaktionen: Klickbare Prototypen mit Animationen und Übergängen
- Developer-Handoff: Automatische CSS-/Code-Generierung für Entwickler
Die Komplexität hat ihren Preis: Viele dieser Features sind für einfache Grafiken Overkill. Wenn Sie nur einen Instagram-Post brauchen, ist Figma wie ein Formel-1-Auto für den Supermarkt-Einkauf.
Verdikt: Figma gewinnt bei Features und Gestaltungsfreiheit – wenn Sie maximale Kontrolle und professionelle Werkzeuge benötigen.
3.3 Kollaboration & Teamwork: Gemeinsam statt einsam
Canva: Einfaches Teilen und Kommentieren
Canvas Kollaboration ist auf unkompliziertes Feedback ausgelegt:
- Link teilen: Einfacher als E-Mail-Anhänge – jeder mit Link kann kommentieren
- Brand-Kits: Sicherstellen, dass Teammitglieder korrekte Logos und Farben verwenden
- Rollen & Berechtigungen: Bearbeiter, Kommentatoren, Viewer
- Echtzeit-Bearbeitung: Auf Teams-Pro-Plan – aber nicht so flüssig wie bei Figma
Die Grenzen: Echte parallele Arbeit an komplexen Projekten ist nicht Canvas Stärke. Es fehlen Features wie Live-Cursor (sehen, wo Teammitglieder arbeiten) oder detaillierte Versionierung.
Figma: “Google Docs für Designer”
Figmas gesamte DNA ist auf Echtzeit-Kollaboration ausgelegt:
- Live-Editing: Mehrere Personen arbeiten gleichzeitig im selben Dokument
- Cursor-Chat: Sehen Sie Kollegen-Cursors und chatten Sie direkt im Element
- Audio-Komments: Sprachnachrichten direkt im Design hinterlassen
- Version-History: Jede Änderung wird gespeichert, Rückgriffe sind einfach
- Developer-Handoff: Entwickler können Messungen, Farbwerte und Code direkt ablesen
- Branches: Experimentelle Änderungen in separaten Zweigen, ohne Hauptdesign zu gefährden
Dieses Level an Kollaboration ist insbesondere für cross-funktionale Teams wertvoll: Designer, Product Manager und Entwickler können im selben Dokument arbeiten und kommunizieren.
Verdikt: Figma dominiert bei Kollaboration – insbesondere für Teams, die intensiv zusammenarbeiten müssen.
3.4 KI-Integration 2025/2026: Künstliche Intelligenz im Vergleich
Die KI-Integration beider Tools hat sich 2025/2026 stark weiterentwickelt, doch die Ansätze könnten unterschiedlicher nicht sein.
Canva: Magic Studio – Die kreative KI für jedermann
Canvas KI-Ansatz dreht sich um Content-Creation für alle. Mit “Magic Studio” hat Canva eine umfassende KI-Suite geschaffen, die speziell auf die Bedürfnisse von Nicht-Designern zugeschnitten ist:
Magic Design: Beschreiben Sie, was Sie wollen (“Instagram-Post für veganes Restaurant mit Pastellfarben”), und die KI generiert mehrere vollständige Design-Varianten – nicht nur einzelne Elemente, sondern komplette Layouts mit passenden Bildern, Texten und Farben.
Magic Media (Text-to-Image): Der integrierte Bildgenerator erstellt visuell konsistente Bilder direkt in Ihrer Design-Umgebung. Besonders praktisch: Er hält sich an Ihren gewählten Stil und Ihre Farbpalette.
Magic Eraser & Background Remover: Diese Tools sind so einfach wie mächtig. Ein Klick entfernt unerwünschte Objekte oder Hintergründe – mit einer Präzision, die vor einigen Jahren noch Profi-Software vorbehalten war.
Magic Write: Die KI hilft nicht nur bei Designs, sondern auch beim Texten. Von Social-Media-Captions bis zu Blog-Introtexten – die KI schlägt Formulierungen vor, die zu Ihrem Design passen.
Der Fokus ist klar: Schnellere Ergebnisse mit weniger Aufwand. Für Marketing-Teams ist das ein Game-Changer – sie können in Minuten produzieren, was früher Stunden dauerte.
Figma: KI als Workflow-Beschleuniger für Profis
Figmas KI-Ansatz ist weniger auf Content-Erstellung, sondern auf Workflow-Optimierung fokussiert:
Figma Make (Beta): Dieses Feature zeigt, wo Figmas KI-Priorität liegt. Sie beschreiben eine Interaktion (“Wenn der Nutzer hier klickt, soll ein Modal erscheinen”) – und die KI baut das Prototyping für Sie. Das ist weniger für Anfänger, sondern für Profis gedacht, die Zeit sparen wollen.
Intelligente Layout-Vorschläge: Die KI analysiert Ihr Design und schlägt Optimierungen für Auto-Layout oder Constraints vor – also strukturelle Verbesserungen, nicht ästhetische.
Content-Aware-Features: Platzhaltertexte, die automatisch durch sinnvolle Inhalte ersetzt werden; Bildvorschläge, die zu Ihrem Design-System passen.
Code-Generierung & Handoff-Optimierung: Figmas KI hilft dabei, Designs besser für Entwickler aufzubereiten und sogar Code-Snippets zu generieren.
Hier geht es nicht um “einfacheres Designen”, sondern um effizienteres Arbeiten auf professionellem Niveau. Die KI nimmt repetitive Aufgaben ab, damit sich Designer auf kreative Entscheidungen konzentrieren können.
Verdikt: Unentschieden mit klarer Aufgabenteilung
Das KI-Duell endet unentschieden, aber mit perfekter Aufgabenteilung:
- Wählen Sie Canva, wenn Sie KI möchten, die Ihnen das Designen abnimmt – ideal für Content-Creator ohne Design-Hintergrund.
- Wählen Sie Figma, wenn Sie KI möchten, die Ihnen beim Designen hilft – ideal für Profis, die ihre Effizienz steigern wollen.
3.5 Preisgestaltung & Wert: Was bekommen Sie für Ihr Geld?
Die Preisstrukturen von Figma und Canva offenbaren viel über ihre Zielgruppen und Geschäftsmodelle.
Canva: Transparent und skalierbar
Canvas Preismodell ist auf Einzelpersonen und wachsende Teams ausgelegt:
Free-Plan: Erstaunlich großzügig. Sie erhalten Zugriff auf über 5 Millionen Templates, grundlegende Design-Tools und 5GB Cloud-Speicher. Für viele Gelegenheitsnutzer ist dies völlig ausreichend.
Pro-Plan ($12.99/Monat): Hier zeigt Canva seine Stärke. Für diesen Preis erhalten Sie Zugriff auf alle 141 Millionen Stock-Assets, erweiterte KI-Tools, Brand-Kits und 1TB Speicher. Besonders wertvoll: Magic Studio ist inklusive.
Teams-Plan ($14.99/Monat für bis zu 5 Personen): Der Preisvorteil bei Teams ist signifikant. Echtzeit-Kollaboration, erweiterte Brand-Kontrolle und Workflow-Management – alles zu einem Bruchteil von Figmas Team-Preisen.
Enterprise: Individuelle Preise, aber tendenziell deutlich günstiger als Figmas Enterprise-Lösungen.
Das Modell ist einfach: Sie zahlen für Personen, nicht für Funktionen. Fast alle Features sind in jedem bezahlten Plan enthalten – eine angenehme Transparenz.
Figma: Professionell, aber komplexer
Figmas Preismodell spiegelt seine Enterprise-Ausrichtung wider:
Starter (Free): Hier zeigt sich der erste Unterschied. Sie erhalten zwar alle Kernfeatures, aber nur für 3 aktive Dateien. Für ernsthafte Arbeit schnell zu limitierend.
Professional ($15/Monat pro Editor): Der Einstieg in die professionelle Nutzung. Unbegrenzte Dateien, Version-History und erste Team-Features. Wichtig: Entwickler-Handoff und erweiterte Prototyping-Tools sind enthalten.
Organization ($45/Monat pro Seat): Der Sprung ist signifikant. Hier erhalten Sie Single-Sign-On, erweiterte Sicherheitsfeatures und Organisation-weite Design-Systeme – Features, die für größere Unternehmen essentiell sind.
Enterprise ($75+/Monat pro Seat): Die volle Enterprise-Lösung mit maximaler Kontrolle, Compliance und Support.
Der kritische Punkt: Bei Figma addieren sich die Kosten schnell. Ein Team von 10 Designern kostet bereits $450/Monat (Organization-Plan). Dazu kommen oft noch Kosten für Premium-Templates aus der Community.
Verdikt: Canva gewinnt bei Preis-Leistung für die meisten Nutzer
Für Einzelpersonen, Kleinunternehmer und Marketing-Teams bietet Canva deutlich mehr Wert für weniger Geld. Figmas Preismodell macht erst ab einer bestimmten Teamgröße und Professionalisierungsstufe Sinn – dann ist die Investition jedoch gerechtfertigt.
3.6 Beste Einsatzgebiete: Wann welches Tool glänzt
Jedes Tool hat seine “Sweet Spots” – Bereiche, in denen es unschlagbar ist.
Canvas Domänen: Geschwindigkeit und Zugänglichkeit
Social Media Marketing: Das ist Canvas Heimvorteil. Plattformspezifische Templates (Instagram-Story, LinkedIn-Post, Pinterest-Pin), direkte Publishing-Optionen und die Fähigkeit, Batch-Inhalte schnell zu produzieren.
Präsentationen: Mit über 20.000 Presentation-Templates und einem Fokus auf visuelle Wirkung statt technischer Präzision ist Canva für Pitches, Schulungen und interne Meetings ideal.
Druckmaterialien: Visitenkarten, Flyer, Broschüren – Canva bietet nicht nur die Designs, sondern auch den Druck-Service. Die Templates sind druckoptimiert, Farbprofile werden korrekt verwaltet.
Schnelle Video-Content: Für einfache Social-Media-Videos, animierte Posts oder kurze Erklärclips ist der integrierte Video-Editor überraschend mächtig.
Brand-Consistency für Nicht-Designer: Mit Brand-Kits können Sie sicherstellen, dass auch Marketing-Kollegen ohne Design-Hintergrund on-brand bleiben.
Figmas Domänen: Präzision und Zusammenarbeit
UI/UX-Design für digitale Produkte: Von Wireframes zu hochdetaillierten Mockups – hier ist Figma in seiner Element. Das Component-System ermöglicht konsistente Interfaces über Hunderte von Screens.
Prototyping und User Testing: Interaktive Prototypen, die reale Nutzererfahrungen simulieren. Perfekt für Usability-Tests vor der Entwicklung.
Design-Systeme: Für Organisationen, die konsistente Designs über mehrere Produkte hinweg benötigen. Figmas Design-System-Features sind branchenführend.
Developer-Handoff: Die nahtlose Übergabe von Designs an Entwickler – mit automatisch generierten CSS-Werten, Assets-Export und Style-Guides.
Komplexe Web-Designs: Responsive Layouts, komplexe Grid-Systeme, Mikro-Interaktionen – alles, was über eine einfache Landing Page hinausgeht.
Die Grauzone: Wo beide akzeptabel sind
Interessanterweise gibt es Bereiche, wo beide Tools “gut genug” sind:
- Einfache Websites: Canvas Website-Builder ist für Basics ausreichend; Figma kann mit Plugins zu Website-Buildern exportiert werden.
- Whiteboarding: Beide bieten brauchbare Tools, wobei Figmas FigJam etwas mächtiger für Workshops ist.
- Einfache Grafiken: Auch in Figma kann man einen Social-Media-Post erstellen – es ist nur weniger effizient.
Verdikt: Die Wahl hängt von Ihrem primären Output ab
Fragen Sie sich: Was werde ich die meiste Zeit erstellen? Wenn die Antwort “Marketing-Material” ist → Canva. Wenn die Antwort “digitale Interfaces” ist → Figma. Wenn beides → überlegen Sie, ob Sie beide Tools benötigen.
4. Die Grenzbereiche: Wo die Tools (leicht) verschwimmen
Interessanterweise gibt es Bereiche, in denen Figma und Canva bewusst in das Territorium des anderen vordringen. Diese “Grenzbereiche” zeigen, wie sich beide Plattformen entwickeln – und wo ihre ursprüngliche DNA trotzdem durchscheint.
4.1 Web-Design: Vom einfachen Builder zum komplexen Prototyping
Canva Websites: Einfachheit als Verkaufsargument
Canvas Website-Builder ist das perfekte Beispiel für die “Demokratisierungs”-Philosophie. Mit über 3.000 vollständig anpassbaren Templates richtet sich das Feature explizit an Nutzer ohne Coding-Kenntnisse.
Was gut funktioniert:
- Einstieg in Minuten: Wählen Sie ein Template, passen Sie Texte und Bilder an – Ihre Website ist live
- Mobile-optimiert: Alle Templates sind von Haus aus responsive
- Hosting inklusive: Keine separate Hosting-Suche notwendig
- E-Commerce Basics: Einfache Produktlisten und Zahlungsintegrationen
Die Grenzen:
- SEO-Einschränkungen: Begrenzte Kontrolle über Meta-Tags, URL-Strukturen und Performance-Optimierung
- Skalierbarkeit: Für Blogs mit Hunderten von Artikeln oder komplexen Navigationsstrukturen ungeeignet
- Custom Code: Kaum Möglichkeiten für individuelle Implementierungen
Typische Nutzer: Kleinunternehmer, Event-Websites, Portfolios für Kreative, einfache Landing Pages.
Figma für Web-Design: Vom Konzept zur Implementierung
Figmas Ansatz zum Web-Design ist grundlegend anders: Es ist ein Design-Tool, kein Website-Builder. Doch mit neuen Features wie “Figma Sites” (Beta 2025) und zahlreichen Export-Plugins nähert es sich dem “Live-Website”-Territorium.
Was Figma bietet:
- Pixelgenaue Kontrolle: Jedes Element kann exakt positioniert und gestaltet werden
- Responsive Design-Tools: Auto-Layout und Constraints für alle Bildschirmgrößen
- Prototyping: Interaktive Click-Throughs vor der Entwicklung
- Export zu Code: Plugins für Export zu Webflow, Framer oder sogar direktem HTML/CSS
Die Herausforderungen:
- Kein integriertes Hosting: Designs müssen exportiert und woanders gehostet werden
- Lernkurve bleibt: Responsive Design in Figma erfordert Verständnis von Design-Prinzipien
- Entwickler nötig: Für komplexe Websites wird meist Entwickler-Expertise benötigt
Vergleichstabelle: Web-Design Fähigkeiten
| Aspekt | Canva Websites | Figma + Export |
|---|---|---|
| Einstieg | Sofort, Template-basiert | Konzeptphase, leere Leinwand |
| Lernkurve | Seicht | Steil (Design-Prinzipien erforderlich) |
| Customization | Oberflächlich (Farben, Bilder, Texte) | Tiefgehend (jedes Detail) |
| Responsive Design | Automatisch, begrenzt kontrollierbar | Voll kontrollierbar, muss konfiguriert werden |
| SEO-Kontrolle | Eingeschränkt | Vollständig (nach Export/Implementation) |
| Hosting | Integriert | Extern notwendig |
| Beste für | Schnelle, einfache Sites | Komplexe, maßgeschneiderte Sites |
| Kosten zusätzlich | In Canva-Pro enthalten | Hosting + ggf. Developer-Kosten |
4.2 Präsentationen: Von einfachen Slides zu interaktiven Decks
Canva Presentations: Der etablierte Champion
Mit über 20.000 Presentation-Templates hat Canva diesen Bereich lange dominiert. Die Stärken sind offensichtlich:
- Visuelle Wirkung über alles: Templates sind auf ästhetischen Impact optimiert
- Integration mit Design-Ecosystem: Nutzen Sie dieselben Brand-Kits, Stock-Fotos und Grafiken
- Export zu PowerPoint: Ein-Klick-Export zu PPTX für Kompatibilität
- Presenter View: App als Fernsteuerung, Timer, Notizen
Figma Slides: Der Neue mit technischem Fokus
Figma Slides (2024 eingeführt) nimmt einen anderen Ansatz:
- Interaktive Elemente: Live-Umfragen, interaktive Prototypen in Slides integrierbar
- Design-System-Konsistenz: Verwenden Sie dieselben Components wie in Ihren UI-Designs
- Developer-Freundlich: Technische Präsentationen profitieren von Code-Snippets und Diagrammen
- Echte Kollaboration: Mehrere Personen können gleichzeitig an Slides arbeiten
Die Wahl hängt vom Publikum ab:
- Für Marketing, Vertrieb, allgemeines Publikum: Canva – bessere visuelle Templates
- Für Produkt-Teams, technische Reviews, interne Workshops: Figma Slides – bessere Integration in Design-Workflows
4.3 Whiteboarding & Brainstorming
Canva Whiteboards: Das vertraute Interface
Canvas Whiteboard-Tool fühlt sich an wie eine Erweiterung des Haupt-Tools:
- 1.600+ Templates: Von Brainstorming-Strukturen zu Projektplänen
- Einfache Bedienung: Dieselbe Drag-and-Drop-Logik wie bei Designs
- 500% Zoom: Ausreichend für die meisten Anwendungen
FigJam (Figma Whiteboard): Für Workshop-Profis
FigJam wurde von Grund auf für kollaborative Workshops entwickelt:
- 800% Zoom: Detailarbeit an komplexen Diagrammen
- Cursor-Chat: Direkte Kommunikation über Elemente
- Audio Notes: Sprachkommentare für komplexes Feedback
- Timer & Voting: Eingebaute Workshop-Tools
- Sticker & Reactions: Spielerische Elemente für Engagement
Entscheidungshilfe:
- Einzelarbeit oder einfache Brainstorms: Canva reicht aus
- Facilitierte Workshops, Design Sprints, komplexe Planning: FigJam ist überlegen
4.4 Die zunehmende Überlappung – und ihre Grenzen
Beide Tools expandieren bewusst in neue Bereiche, aber mit unterschiedlichen Motivationen:
Canvas Expansion-Strategie: “Alles unter einem Dach”
- Ziel: Die One-Stop-Lösung für alle visuellen Bedürfnisse von Nicht-Designern
- Methode: Vereinfachte Versionen komplexer Tools (Websites, Videos, Whiteboards)
- Grenze: Tiefe und Präzision zugunsten von Einfachheit opfern
Figmas Expansion-Strategie: “Das zentrale Tool für kreative Teams”
- Ziel: Alle Aspekte des Design-to-Development-Workflows abdecken
- Methode: Professionelle Versionen von Werkzeugen (Slides, Whiteboards, Prototyping)
- Grenze: Komplexität und Lernkurve bleiben hoch
Die praktische Konsequenz: Selbst in Überlappungsbereichen zeigt sich die ursprüngliche DNA. Canvas Versionen sind einfacher, template-basiert und auf schnelle Ergebnisse ausgelegt. Figmas Versionen sind mächtiger, kollaborativer und erfordern mehr Expertise.
5. Die Entscheidungshilfe: Welches Tool für WEN?
Nachdem wir die Features, Stärken und Grenzen beider Tools analysiert haben, kommen wir zur praktischen Anwendung: Welches Tool sollten Sie wählen? Die Antwort hängt nicht von abstrakten Metriken ab, sondern von Ihrem konkreten Kontext.
5.1 Das Entscheidungs-Framework: Die vier Schlüsselfragen
Bevor Sie eine Entscheidung treffen, beantworten Sie diese vier Fragen ehrlich:
1. Was ist Ihr primärer Output?
- Social Media Grafiken, Marketing-Material, Präsentationen → Tendenz zu Canva
- Website/App-Interfaces, Prototypen, Design-Systeme → Tendenz zu Figma
- Eine Mischung aus beidem → Siehe Fragen 2-4
2. Wie ist Ihr Team aufgestellt?
- Einzelperson oder kleines Marketing-Team → Canva ist oft ausreichend
- Cross-funktionales Team (Designer + Entwickler) → Figma bietet bessere Integration
- Große Organisation mit Brand-Guidelines → Beide haben Lösungen, aber unterschiedliche Ansätze
3. Wie hoch ist Ihre Design-Expertise?
- Minimal bis Grundkenntnisse → Canvas Lernkurve ist machbarer
- Professionelle Design-Hintergrund → Sie können von Figmas Tiefe profitieren
- Lernbereitschaft vorhanden → Figma ist eine Investition in Fähigkeiten
4. Welches Budget steht zur Verfügung?
- Begrenzt, besonders für Teams → Canva bietet mehr Wert für weniger Geld
- Bereit für professionelle Investition → Figma rechtfertigt seinen Preis bei richtiger Nutzung
5.2 Klare Empfehlungen für häufige Profile
Basierend auf Hunderten von Nutzerberichten und praktischen Erfahrungen:
Wählen Sie CANVA, wenn Sie…
1. Solo-Gründer oder Kleinunternehmer sind
- Sie müssen alles selbst machen: Marketing, Social Media, einfache Website
- Budget ist begrenzt, Zeit ist knapp
- Canva bietet: All-in-One-Lösung zu erschwinglichem Preis
2. Marketing- oder Social Media Manager (ohne Design-Hintergrund)
- Ihr Job: Regelmäßig Content produzieren, der gut aussieht
- Sie arbeiten oft unter Zeitdruck mit kurzen Deadlines
- Canva bietet: Templates für jede Plattform, Brand-Konsistenz, schnelle Ergebnisse
3. Lehrer, Bildungs-Einrichtung oder Non-Profit
- Sie müssen regelmäßig Materialien erstellen
- Budget ist besonders begrenzt
- Canva bietet: Kostenlose Education-Versionen, einfach zu teilen mit Kollegen
4. Content-Creator oder Influencer
- Visueller Content ist Ihr Business
- Sie müssen verschiedene Formate schnell produzieren
- Canva bietet: Mobile App für unterwegs, Video-Editor, direkte Publishing-Optionen
Wählen Sie FIGMA, wenn Sie…
1. UI/UX-Designer oder Product Designer sind
- Ihre Hauptaufgabe: Digitale Produkte entwerfen
- Sie arbeiten mit Entwicklern zusammen
- Figma bietet: Professionelle Tools, Prototyping, Developer-Handoff
2. In einem Tech-Startup oder Product-Team arbeiten
- Schnelle Iteration und Kollaboration sind essentiell
- Design und Entwicklung sind eng verzahnt
- Figma bietet: Echtzeit-Kollaboration, Versionierung, Design-Systeme
3. Design-Agentur mit Tech-Kunden
- Sie erstellen komplexe Interfaces und Prototypen
- Client-Präsentationen müssen interaktiv sein
- Figma bietet: Client-Zugriff ohne Installation, interaktive Prototypen
4. Design-Student oder angehender Profi-Designer
- Sie wollen industrie-relevante Fähigkeiten aufbauen
- Portfolio-Projekte sollen professionell sein
- Figma bietet: Branchen-Standard, kostenloser Einstieg, Community-Lernen
5.3 Die Hybrid-Lösung: Beide Tools nutzen
Für viele Organisationen ist die beste Lösung: Beide Tools einsetzen – aber für unterschiedliche Zwecke.
Typisches Hybrid-Setup:
- Marketing-Team: Nutzt Canva für Social Media, Werbematerial, Präsentationen
- Product-Team: Nutzt Figma für App-Design, Website-Prototypen, Design-Systeme
- Übergang: Brand-Assets werden von Figma (Design-System) zu Canva (Brand-Kit) synchronisiert
Vorteile dieses Ansatzes:
- Jedes Team bekommt das optimale Tool für seine Aufgaben
- Keine Kompromisse bei Features oder Einfachheit
- Klare Verantwortlichkeiten und Workflows
Herausforderungen:
- Zusätzliche Kosten für beide Tools
- Need for Brand-Asset-Synchronisation
- Unterschiedliche Workflows müssen gemanagt werden
Entscheidungstabelle: Hybrid vs. Einzel-Tool
| Szenario | Empfehlung | Begründung |
|---|---|---|
| Kleinunternehmen (<10 MA) | Ein Tool (meist Canva) | Kosteneffizienz, einfachere Verwaltung |
| Marketing + Product-Team getrennt | Beide Tools | Jedes Team hat unterschiedliche Needs |
| Agency mit diversen Kunden | Beide Tools | Flexibilität für verschiedene Projekttypen |
| Budget sehr begrenzt | Ein Tool (Canva Free/Pro) | Priorität auf Kostensenkung |
| Starker Fokus auf Brand-Konsistenz | Beide mit klarem Workflow | Design-System (Figma) → Brand-Kit (Canva) |
5.4 Entscheidungsmatrix: 8 Fragen, die Sie in 2 Minuten ans Ziel bringen
Geben Sie pro Frage einen Punkt an Canva oder Figma. Am Ende zählen Sie zusammen.
- Brauchen Sie in der nächsten Woche vor allem Social Posts, Ads, Flyer oder Präsentationen?
- Ja - Canva
- Nein, eher Screens, Flows, UI - Figma
- Müssen mehrere Personen gleichzeitig im gleichen Design arbeiten?
- Ja, parallel und häufig - Figma
- Eher selten, eher Feedback und kleine Änderungen - Canva
- Ist Pixelgenauigkeit ein Muss (Abstände, Raster, Komponenten, Responsiveness)?
- Ja - Figma
- Nein, „soll gut aussehen und passen“ reicht - Canva
- Brauchen Sie wiederverwendbare Komponenten und ein echtes Design-System?
- Ja - Figma
- Nein, eher Vorlagen und Brand-Kit - Canva
- Müssen Entwickler direkt aus dem Tool Werte, Abstände und Assets ziehen können?
- Ja - Figma
- Nein - Canva
- Wie wichtig ist Geschwindigkeit ohne Lernaufwand?
- Sehr wichtig - Canva
- Ich investiere lieber Lernzeit für langfristige Freiheit - Figma
- Arbeiten Sie viel mit Foto-Editing, Background Remover, schnellen visuellen Effekten?
- Ja - Canva
- Nein, eher UI und Layout - Figma
- Sind Ihre Projekte eher „Content“ oder eher „Produkt“?
- Content (Marketing, Social, Sales) - Canva
- Produkt (Website, App, Dashboard) - Figma
Auswertung:
- 6-8 Punkte Canva: Canva ist Ihr Haupttool.
- 6-8 Punkte Figma: Figma ist Ihr Haupttool.
- 4-4 Unentschieden: Hybrid-Setup ist sehr wahrscheinlich die beste Lösung.
5.5 Entscheidung nach Rolle: Was die meisten Teams wirklich tun
Viele Vergleiche enden mit „kommt drauf an“. Das stimmt, aber es gibt typische Muster, die in fast jeder Organisation auftreten.
Marketing-Team (Performance, Social, CRM, Sales)
Empfehlung: Canva als Standard.
Warum: Inhalte müssen schnell produziert, angepasst, wiederverwendet und in vielen Formaten ausgespielt werden. Templates, Brand-Kit und einfache Freigaben sind hier wichtiger als Pixelperfektion.
Typischer Canva-Workflow:
- Vorlagenbibliothek pro Kanal (Instagram, LinkedIn, Display Ads, Newsletter)
- Brand-Kit mit gesperrten Farben, Schriften, Logos
- Freigabeprozess: Kommentar - Anpassung - Export
- Wiederkehrende Formate als Kopie-Duplikate (z. B. 10 Varianten einer Ad)
Produktteam (UX, UI, PM, Dev)
Empfehlung: Figma als Standard.
Warum: Hier zählt Kollaboration auf Datei-Ebene, Prototyping, Versionierung und Handoff. Figma spart Zeit nicht beim „Schönmachen“, sondern beim Verhindern von Chaos.
Typischer Figma-Workflow:
- Wireframes - UI - Prototyp - Review
- Komponentenbibliothek und Design-System
- Entwickler lesen Styles und Maße direkt aus
- Iterationen laufen über Kommentare und Versionsstände
Gründer und Solo-Selbstständige
Empfehlung: Entscheiden Sie nach Ihrem Hauptoutput.
- Wenn Sie vorrangig verkaufen und kommunizieren: Canva
- Wenn Sie ein digitales Produkt bauen oder ein komplexes Webprojekt planen: Figma
- Wenn Sie beides tun und regelmäßig: Hybrid (siehe 5.6)
5.6 Das Hybrid-Setup: Beide Tools nutzen, ohne doppelte Arbeit zu erzeugen
Hybrid klingt oft nach „doppelte Kosten und doppelter Aufwand“. In der Praxis funktioniert es sehr gut, wenn Sie eine klare Regel setzen: Figma ist die Quelle der Wahrheit für UI und Brand, Canva ist die Werkbank für Content.
Die goldene Regel
- Figma: Design-System, UI-Komponenten, Brand-Guidelines, Master-Assets
- Canva: Content-Produktion, Social Templates, Präsentationen, Kampagnenmaterial
So sieht ein sauberes Hybrid-Setup aus
1) Brand-Quelle definieren (Figma)
- Farben, Typografie, Logo-Varianten, Abstände, Bildstil
- Export der Brand-Assets in einem festen Set (Logo in SVG/PNG, Farbwerte, Schriften)
2) Brand-Kit in Canva sauber anlegen
- Farben, Schriften, Logos
- Wichtig: Brand-Assets sperren, damit niemand aus Versehen „kreativ“ wird
3) Template-Familien in Canva bauen
- 5 bis 10 Master-Templates reichen meist:
- Social Post
- Story/Reel Cover
- Ad Varianten
- Präsentationsdeck
- Onepager/Flyer
4) Übergabe-Regel für neue Kampagnen
- Alles, was Interface ist: bleibt in Figma
- Alles, was Content ist: geht in Canva
- Keine Mischformate ohne klare Entscheidung
Wann Hybrid wirklich Sinn ergibt
- Sie haben mindestens zwei unterschiedliche Bedürfnisse im Unternehmen: Produkt und Marketing
- Sie haben wiederkehrende Content-Produktion plus anspruchsvolle UI-Projekte
- Sie wollen Brand-Konsistenz, aber ohne dass Designer jeden Social Post anfassen müssen
Wann Hybrid eher nicht Sinn ergibt
- Sie sind ein sehr kleines Team und erstellen fast nur Content
- Sie brauchen aktuell keine Prototypen, keine komplexen Interfaces und keinen Dev-Handoff
- Ihr Budget ist eng und der Overhead würde mehr schaden als helfen
5.7 Mini-Fallbeispiele: Drei typische Entscheidungen aus der Praxis
Fall 1: „Wir sind ein kleines Unternehmen und brauchen Marketingmaterial“
Sie erstellen pro Woche mehrere Social Posts, Ads und Präsentationen. Webdesign ist selten und eher simpel.
- Empfehlung: Canva Pro als Haupttool, Figma nur bei Bedarf.
Fall 2: „Wir bauen eine App, Website und ein Design-System“
Sie arbeiten mit Entwicklern, testen Flows, iterieren viel.
- Empfehlung: Figma als Haupttool, Canva optional für Marketing.
Fall 3: „Marketing läuft stark, Produkt wächst, beide Teams arbeiten parallel“
Sie brauchen Content in hoher Frequenz, aber auch saubere UI-Entwicklung.
- Empfehlung: Hybrid: Canva für Marketing, Figma für Produkt, klarer Brand-Workflow.
5.8 Kurzfazit zu Kapitel 5
Wenn Sie in einem Satz entscheiden wollen:
- Canva, wenn Sie vor allem Inhalte schnell produzieren und anpassen müssen.
- Figma, wenn Sie digitale Produkte gestalten, prototypen und im Team entwickeln.
- Beides, wenn Marketing und Produkt gleichzeitig professionell laufen sollen und Sie klare Regeln für Brand und Workflow setzen.
6. Die Grauzonen: Wo sich die Tools annähern (und wo nicht)
Der Vergleich Figma vs Canva war lange sehr eindeutig: Canva für Content, Figma für UI. 2025 und 2026 wird das Bild etwas komplexer, weil beide Plattformen bewusst in Bereiche vordringen, die früher klar „dem anderen“ gehörten.
Wichtig ist aber: Annäherung bedeutet nicht, dass die Tools austauschbar werden. In den Grauzonen treffen Sie heute schneller auf Überschneidungen, aber die Grenzen bleiben in der Praxis spürbar.
6.1 Figma wird zugänglicher: Templates, Slides und Figma Sites für einfache Websites
Figma hat verstanden, dass nicht jeder Nutzer bei null starten möchte. Besonders Teams, die schnell präsentieren oder einfache Seiten skizzieren wollen, profitieren davon, dass Figma mehr Einstiegshilfen bietet.
Was sich verändert hat:
- Mehr Templates und Starter-Kits: Für UI-Bausteine, Flows, Wireframes und Komponentenbibliotheken.
- Figma Slides: Präsentationen direkt im Figma-Ökosystem, sinnvoll für Produktteams, Pitches und interne Reviews.
- Figma Sites (Ansatz): Figma bewegt sich in Richtung „einfachere Websites“ und schnellere Veröffentlichung, ohne dass Sie den kompletten klassischen Design-to-Dev-Prozess brauchen.
Was das in der Praxis bedeutet:
- Wenn Sie Figma bisher gemieden haben, weil der Einstieg zu „leer“ war, wird es einfacher, schnell produktiv zu werden.
- Trotzdem bleibt Figma ein Tool, das belohnt, wenn man systematisch arbeitet. Templates nehmen Ihnen nicht die Lernkurve ab, sie verkürzen nur den Start.
6.2 Canva wird mächtiger: Erweiterte AI-Tools und Canva Code
Canva erweitert seit Jahren konsequent den Funktionsumfang. Das Ziel ist klar: Nicht-Designer sollen mehr erreichen, ohne zusätzliche Tools nutzen zu müssen.
Was stärker wird:
- KI-gestützte Content-Produktion: Layout-Vorschläge, automatische Varianten, schnelle Bildbearbeitung, Textvorschläge.
- Mehr Formate in einem Tool: Social, Print, einfache Websites, Whiteboards, Videos.
- Canva Code: Canva experimentiert in Richtung „mehr Automatisierung“ und „mehr Produktivität“, damit Teams Inhalte nicht nur gestalten, sondern schneller skalieren können.
Was das in der Praxis bedeutet:
- Canva wird besser darin, Content-Workflows zu vereinheitlichen.
- Für Marketingteams wird Canva dadurch noch attraktiver, weil weniger Toolwechsel nötig sind.
- Die Grenze zur echten UI- und Produktarbeit bleibt trotzdem bestehen.
6.3 Trotzdem klare Grenzen: Warum Canva kein UI/UX-Tool wird und Figma kein Social-Media-Tool
Auch wenn beide Plattformen sich annähern, verhindern ihre Grundprinzipien, dass sie sich vollständig ersetzen.
Warum Canva kein UI/UX-Tool wird
UI/UX-Design lebt von Systematik und Präzision:
- Komponentenlogik, Varianten, States
- Constraints, Responsiveness, Layout-Regeln
- Prototyping-Logik für echte Flows
- saubere Übergabe an Entwicklung inklusive Messwerte, Styles, Assets
Canva ist bewusst so gebaut, dass es schnell und einfach bleibt. Würde Canva echte UI/UX-Komplexität integrieren, würde es für die Kernzielgruppe schwerer zu bedienen werden. Genau das will Canva vermeiden.
Kurz gesagt: Canva kann Interfaces „optisch“ darstellen, aber nicht den UI/UX-Prozess sauber abbilden.
Warum Figma kein Social-Media-Tool wird
Social Content lebt von Tempo, Varianten und Distribution:
- viele Formate und Größen
- schnelle Adaptionen und Versionen
- integrierte Assets, einfache Effekte
- möglichst wenige Regeln und möglichst wenig Setup
Figma kann Social Designs erstellen, aber es ist dafür nicht optimiert. Die Stärke von Figma ist nicht „schnell irgendwas hübsch machen“, sondern „ein System bauen, das in Teams stabil bleibt“. Für Social Workflows wäre das oft unnötig kompliziert.
Kurz gesagt: Figma kann Content, aber es fühlt sich für diese Aufgabe schnell nach Overhead an.
6.4 Hybrid-Nutzung: Wann es Sinn macht, beide Tools zu verwenden
Die Grauzone führt bei vielen Teams nicht zur Frage „entweder oder“, sondern zur Entscheidung: „Wie nutzen wir beides sinnvoll?“
Hybrid macht Sinn, wenn:
- Ihr Unternehmen sowohl Marketing-Output als auch Produkt-Output regelmäßig produziert.
- Sie Brand-Konsistenz brauchen, aber Marketing nicht bei jeder Grafik auf Designer warten soll.
- Sie ein Design-System in Figma aufbauen und daraus Content-Templates in Canva ableiten.
Ein pragmatisches Hybrid-Setup:
- Figma: Brand-Quelle, UI-Komponenten, Design-System, Produktdesign, Prototyping
- Canva: Social Templates, Kampagnenmaterial, Sales-Präsentationen, schnelle Varianten
Wichtig, damit Hybrid nicht chaotisch wird:
- Legen Sie fest, wo die „Quelle der Wahrheit“ liegt (meist Figma für Brand und UI).
- Pflegen Sie Brand-Assets in Canva als Brand-Kit und sperren Sie kritische Elemente.
- Definieren Sie klare Regeln: Was ist Produkt, was ist Content, was darf wo entstehen.
Kurzfazit zu Kapitel 6:
Ja, die Tools nähern sich an. Aber die Unterschiede bleiben relevant, weil sie nicht nur Features betreffen, sondern Arbeitsweisen. Wenn Sie die Grenzen akzeptieren und bewusst nutzen, sparen Sie Zeit, verhindern Reibung im Team und bekommen bessere Ergebnisse.
7. Praktische Entscheidungshilfe: Szenarien statt Allgemeinplätze
Viele Vergleiche enden mit „kommt darauf an“. Stimmt. Nur hilft das niemandem, der heute entscheiden muss. Deshalb machen wir es konkret: vier typische Szenarien aus der Praxis, inklusive klarer Empfehlung, Stolperfallen und einem schnellen „So setzen Sie es um“.
Szenario 1: Solo-Gründer braucht Branding und Social-Media-Inhalte
Ausgangslage:
Sie sind allein oder zu zweit unterwegs. Sie brauchen ein sauberes Grundbranding (Logo, Farben, Schriften, Bildstil) und müssen regelmäßig Social Content, kleine Ads, Pitch-Decks oder Onepager erstellen. Zeit ist knapp, Design ist nicht Ihr Hauptjob.
Empfehlung:
- Canva als Haupttool, ergänzt durch ein kleines Branding-Setup (extern oder einmalig professionell erstellt).
- Wenn Sie die Basis schon haben: Brand-Kit in Canva sauber anlegen, dann mit Templates skalieren.
Warum:
Canva gibt Ihnen Geschwindigkeit und konsistente Ergebnisse ohne lange Einarbeitung. Für Solo-Gründer zählt Output.
Stolperfallen:
- „Ich baue mein Branding komplett in Canva“ kann funktionieren, wirkt aber oft generisch.
- Wenn Sie später wachsen, fehlt Ihnen ein sauberes System (z. B. Logo-Varianten, Icons, UI-Styles).
Praktischer Start in 60 Minuten:
- Brand-Kit anlegen: Farben, Schriften, Logos (mindestens hell/dunkel).
- 5 Master-Templates erstellen: Post, Story, Ad, Carousel, Folie fürs Pitch-Deck.
- Inhalte als Serien denken: ein Thema - 5 Varianten - wiederholbar.
Wenn Sie doch Figma brauchen:
Sobald Sie eine Website oder ein Produktinterface wirklich strukturiert planen oder mit Entwicklern arbeiten wollen.
Szenario 2: Marketing-Team benötigt Kampagnenmaterial schnell
Ausgangslage:
Mehrere Personen produzieren Content: Social Posts, Ads, Newsletter-Grafiken, Präsentationen, Landingpage-Visuals. Design-Know-how im Team ist gemischt. Wichtig ist, dass Ergebnisse schnell kommen und on-brand bleiben.
Empfehlung:
- Canva als Standard für Marketing, idealerweise mit Teams-Plan und klaren Brand-Regeln.
Warum:
Templates, Brand-Kit und schnelle Freigaben sind genau das, was Marketingteams täglich brauchen. Canva minimiert Abstimmungsaufwand.
Stolperfallen:
- Ohne Regeln wird Canva schnell „wild“: 7 Schriften, 12 Blautöne, 4 Logo-Versionen.
- Wenn das Design-Team keine Leitplanken setzt, leidet die Markenwirkung.
Praktischer Start in 1 bis 2 Tagen:
- Brand-Kit und Freigaben definieren: Farben, Fonts, Logos, Bildstil.
- Template-Library aufbauen: Kampagne pro Kanal plus Formatvarianten.
- Rollen festlegen: Wer erstellt, wer darf brandrelevante Dinge ändern, wer gibt frei.
- „Do not touch“-Elemente sperren: Logo, Fonts, Kernfarben.
Wenn Figma dazu gehört:
Wenn Ihr Marketing stark mit Produkt-UI verzahnt ist oder Sie Design-System-Elemente wiederverwenden müssen (z. B. UI-Teile in Sales-Material).
Szenario 3: Tech-Startup entwickelt eine Mobile App
Ausgangslage:
Sie bauen ein digitales Produkt. Es gibt Entwickler, Product Owner, vielleicht erste Designer. Sie iterieren schnell, brauchen Prototypen, Tests, klare Spezifikationen und einen sauberen Übergang zur Entwicklung.
Empfehlung:
- Figma als Haupttool, inklusive Komponenten, Varianten, Auto-Layout und Prototyping.
Warum:
Figma ist auf genau diesen Workflow gebaut: UI/UX, Teamkollaboration, Versionierung, Handoff. Sie vermeiden Chaos und sparen in der Umsetzung reale Entwicklungskosten.
Stolperfallen:
- Figma ohne System führt zu „Design-Wildwuchs“: keine Komponenten, keine Varianten, keine Struktur.
- Prototyping wird unterschätzt: Ohne klickbare Flows ist Feedback oft oberflächlich.
Praktischer Start in 1 bis 3 Tagen:
- Struktur anlegen: Seiten für Wireframes, UI, Komponenten, Prototypen.
- Mini-Design-System definieren: Typografie, Farben, Buttons, Inputs, Spacing.
- Prototypen bauen: Onboarding, Kernflow, ein kritischer Edge Case.
- Handoff-Regeln festlegen: Naming, Export-Standards, Kommentare, Specs.
Wenn Canva zusätzlich Sinn ergibt:
Für Social Assets, Recruiting Posts, Investor Slides oder schnelle Sales-Materialien. Produkt bleibt in Figma, Content kann in Canva laufen.
Szenario 4: Agentur arbeitet mit verschiedenen Kunden-Typen
Ausgangslage:
Sie betreuen Kunden aus unterschiedlichen Branchen. Manche brauchen Social Content, andere Webdesign, andere App UI, andere Präsentationen. Sie arbeiten mit internen Teams und externen Stakeholdern.
Empfehlung:
- Beide Tools im Werkzeugkasten, mit klarer Regel:
- Figma für Produkt, Web, UI, Design-Systeme
- Canva für Content-Produktion, Social, einfache Präsentationen
Warum:
Agenturen brauchen Flexibilität. Sie wollen nicht jedes Mal das Tool wechseln, aber auch nicht mit dem falschen Tool kämpfen.
Stolperfallen:
- Kunden wollen „alles in Canva“, obwohl UI/UX nötig ist.
- Oder Kunden wollen „alles in Figma“, obwohl das Team im Marketing nur schnell Content braucht.
- Ohne klare Übergabeprozesse zwischen Tools entstehen doppelte Arbeit und inkonsistente Brand-Assets.
Praktischer Setup-Ansatz:
- Brand-Quelle definieren: meist Figma, inklusive Master-Assets.
- Canva Brand-Kit pro Kunde: saubere Assets, gesperrte Elemente.
- Templates pro Kunde: Social, Ads, Präsentation, einfache Onepager.
- Governance: Wer pflegt das System, wer darf Templates anpassen.
Entscheidungsbaum: Teamgröße × Design-Expertise × Projekttyp × Budget
Nutzen Sie diesen Entscheidungsbaum als schnelle Orientierung. Starten Sie oben und gehen Sie Schritt für Schritt.
1) Projekttyp
- Wenn Ihr Hauptoutput Marketing-Content ist → gehen Sie zu 2A
- Wenn Ihr Hauptoutput UI/UX oder digitale Produkte ist → gehen Sie zu 2B
- Wenn beides regelmäßig vorkommt → gehen Sie zu 2C
2A) Marketing-Content
- Team klein oder gemischt in Design-Expertise? → Canva
- Starke Brand-Regeln nötig? → Canva + Brand-Kit + klare Rollen
- Sehr knappes Budget? → Canva Free, später Pro
2B) UI/UX und digitale Produkte
- Arbeiten Designer und Entwickler zusammen? → Figma
- Brauchen Sie Prototypen und Handoff? → Figma
- Einzelperson, aber ernsthafte UI-Arbeit? → Figma Free/Pro
2C) Hybrid (Marketing + Produkt)
- Team hat getrennte Rollen (Marketing und Produkt)? → Hybrid: Canva + Figma
- Brand-Konsistenz kritisch? → Figma als Brand-Quelle, Canva als Content-Werkzeug
- Budget sehr knapp? → Start mit einem Tool und später ergänzen:
- zuerst Canva, wenn Content dominiert
- zuerst Figma, wenn Produkt dominiert
Schnellregel zum Schluss:
- Canva, wenn Tempo und Templates zählen.
- Figma, wenn Präzision, System und Teamwork zählen.
- Beide, wenn Sie Content und Produkt parallel professionell betreiben.
8. Kostenvergleich 2025/2026: Mehr als nur Preislisten
Beim Vergleich von Figma und Canva reicht es nicht, nur auf den Monatsbetrag zu schauen. Entscheidend ist:
- Wofür zahlen Sie wirklich? (Editor-Rechte, Assets, Teamfunktionen, Governance)
- Welche versteckten Kosten entstehen? (Templates, Stock, Zusatztools, Zeit durch Workarounds)
- Wie skaliert das Modell, wenn Ihr Team wächst?
8.1 Figma Pricing: Seat-basiertes Modell (Starter, Professional, Organization, Enterprise)
Figma ist in der Logik klar: Kosten entstehen vor allem über Seats. Je mehr Personen aktiv gestalten und im Produktprozess mitarbeiten, desto relevanter wird das Seat-Management.
Typische Plan-Logik:
- Starter: für Einstieg und Tests
- Professional: für kleinere Teams und produktive Arbeit ohne große Enterprise-Anforderungen
- Organization / Enterprise: für größere Organisationen, mehr Kontrolle, Sicherheit, zentrale Verwaltung
8.2 Canva Pricing: Pay-as-you-grow (Free, Pro, Teams, Enterprise)
Canva ist in der Logik ebenfalls klar, aber anders: Kosten entstehen vor allem über Plan-Stufe und Team-Nutzung, plus den Wert, den Sie aus Templates und Assets ziehen.
Typische Plan-Logik:
- Free: für Basics und gelegentliche Nutzung
- Pro: für Einzelpersonen, die regelmäßig Content produzieren und Premium-Assets nutzen
- Teams: für kollaboratives Arbeiten, Brand-Kontrolle, Vorlagenverwaltung
- Enterprise: für große Organisationen, zentrale Verwaltung, Sicherheit, Support
Wichtig: Bei Canva können Preise je nach Region, Abrechnung (monatlich/jährlich) und Vertragsmodell variieren. Für die Entscheidung zählt deshalb vor allem die Struktur der Kosten, nicht eine einzelne Zahl.
8.3 Vergleichstabelle: Pricing-Logik und typische Kosten-Treiber
| Kategorie | Figma | Canva |
|---|---|---|
| Grundlogik | Seat-basiert (wer arbeitet wie intensiv am Design/Produkt) | Plan-basiert (Free/Pro/Teams/Enterprise) plus Teamnutzung |
| Kosten-Treiber #1 | Anzahl und Art der Seats (Editor, Dev, Stakeholder) | Pro vs Teams, Anzahl Nutzer, Premium-Assets |
| Wann wird es teuer? | Wenn viele Personen echte Editor-Rechte brauchen oder Enterprise-Governance nötig wird | Wenn Teams stark wächst oder viele Premium-Assets genutzt werden |
| Skalierungsgefühl | Kontrollierbar, wenn Seat-Rollen sauber getrennt sind | Einfach zu starten, kann bei Wachstum überraschen, je nach Teams-Modell |
| Typischer ROI | Weniger Rework, sauberer Handoff, schnelleres Produktteam | Schneller Content-Output, weniger Abstimmung, mehr Konsistenz im Marketing |
8.4 Wertanalyse: Was bekommt man wirklich für sein Geld?
Canva zahlt sich aus, wenn…
- Sie viel Marketing-Output erzeugen (Social, Ads, Präsentationen, einfache Videos).
- Templates, Brand-Kit und Assets für Sie echte Zeit sparen.
- Nicht-Designer im Team Inhalte erstellen müssen, ohne dass alles über Design geht.
Der Wert kommt aus Geschwindigkeit und Produktionsfähigkeit.
Figma zahlt sich aus, wenn…
- Sie UI/UX, Prototyping, Design-Systeme und Developer-Handoff brauchen.
- Ihr Team parallel arbeitet (Design, PM, Dev) und Iterationen schnell sind.
- Präzision und Wiederverwendbarkeit echte Kosten sparen (weniger Rework, weniger Missverständnisse).
Der Wert kommt aus Kontrolle, Systematik und Team-Workflow.
8.5 Versteckte Kosten: Templates bei Figma, Stock-Assets bei Canva
Figma: typische Zusatzkosten
- Premium UI-Kits oder spezialisierte Templates aus der Community (nicht alles ist kostenlos).
- Zusatztools für Dinge, die Figma nicht tief abdeckt (z. B. Foto-Retusche, komplexes Print-Layout).
- Falsch vergebene Seats: zu viele Full-Editor-Rechte statt klarer Rollen.
Canva: typische Zusatzkosten
- Premium-Assets sind zwar im Pro-Umfeld stark, aber je nach Bedarf brauchen Teams trotzdem externes Material (z. B. Brand-Fotos, Video).
- Teams-Wachstum: mehr Nutzer bedeutet oft mehr Kosten, je nach Modell.
- Grenzen im Layout: wenn Präzision fehlt, zahlen Sie mit Zeit (Workarounds, Neuaufbau in anderem Tool).
8.6 Skalierung: Wie verhalten sich die Kosten bei Wachstum?
Hier hilft ein einfacher Blick auf typische Team-Situationen. Nicht als exakte Preiskalkulation, sondern als Entscheidungslogik.
Vergleichstabelle: Skalierung nach Team-Setup
| Team-Setup | Canva Kosten-Dynamik | Figma Kosten-Dynamik | Empfehlung |
|---|---|---|---|
| 1 Person (Solo) | Pro lohnt sich, wenn regelmäßig Content und Premium-Assets gebraucht werden | Starter reicht oft, Pro wenn ernsthafte UI-Arbeit und mehr Projekte | Output Content -> Canva, Output UI -> Figma |
| 3 bis 5 Personen Marketing | Teams lohnt sich wegen Brand-Kontrolle und Vorlagen | Figma nur nötig, wenn UI oder systematische Designarbeit entsteht | Meist Canva Teams |
| Produktteam mit Devs | Canva nur für Marketing-Side-Assets sinnvoll | Seat-Mix entscheidend: Designer vs Devs vs Stakeholder | Figma als Kern, Canva optional |
| 10+ Personen, mehrere Funktionen | Canva braucht klare Rollen, sonst Chaos und Kosten | Governance wird wichtig, Seats und Admin-Regeln zahlen sich aus | Hybrid mit klarer Quelle der Wahrheit |
8.7 Kurzfazit zu Kapitel 8
- Canva gewinnt meistens beim Preis-Leistungs-Gefühl für Content-Produktion, vor allem wenn Zeit der limitierende Faktor ist.
- Figma gewinnt beim Wert für Produktteams, weil Präzision, Systematik und Kollaboration Rework reduzieren.
- Die beste Entscheidung ist selten „billigster Plan“, sondern: Kosten pro verwertbarem Output plus Kosten durch vermiedene Abstimmungsschleifen.
9. Integrationen & Ökosystem: Wie die Tools in Workflows passen
Bei Figma vs. Canva geht es nicht nur um Features im Tool, sondern darum, wie gut sich das Tool in Ihren Alltag einfügt. Denn das beste Design-Tool bringt wenig, wenn es nicht sauber mit Ihrem Stack zusammenspielt.
In diesem Kapitel schauen wir auf die Ökosysteme: Plugins, Integrationen, Vorlagen-Märkte und die Trends, die 2025/2026 zunehmend bestimmen, wie Teams arbeiten.
9.1 Figma: Plugin-Ökosystem, Developer-Tools, Design-System-Integration
Figma ist stark, wenn es Teil eines Produkt-Workflows ist. Es ist weniger „Einzeltool“ und mehr ein zentraler Ort, an dem Design, Feedback und Übergabe an Entwicklung zusammenlaufen.
Plugin-Ökosystem (1.800+):
Figma lebt von Erweiterungen. Plugins decken alles ab, was Teams im Alltag brauchen: Icons, Accessibility-Checks, Content-Generierung, Mockups, Diagramme, Export-Flows, Dokumentation und vieles mehr. Das Prinzip ist: Figma bleibt schlank, der Rest kommt über Plugins.
Developer-Tools und Handoff:
Figma ist für Zusammenarbeit mit Entwicklern gebaut. Typische Vorteile im Alltag:
- Entwickler können Maße, Farben, Typografie und Assets direkt ablesen
- Design-Tokens und Styles lassen sich strukturiert organisieren
- Kommentare und Entscheidungen bleiben im Kontext der UI
- Übergaben sind weniger „Screenshot-Pingpong“, mehr nachvollziehbarer Workflow
Design-System-Integration:
Für Teams, die wiederkehrende UI bauen, ist das entscheidend. Komponenten, Varianten, Tokens und Libraries ermöglichen:
- konsistente UI über mehrere Produkte hinweg
- schnellere Iterationen ohne jedes Element neu zu bauen
- klare Regeln für Skalierung (z. B. neue Screens, neue Features, neue Plattformen)
Wenn Figma in Workflows glänzt:
- Produktteams (Design + Dev + PM)
- Agenturen mit UI/UX-Schwerpunkt
- Organisationen mit wiederverwendbaren Komponenten und mehreren Projekten
9.2 Canva: Marketing-Stack, Sharing, Publishing und AI-Erweiterungen
Canva ist stark, wenn es Teil eines Marketing-Workflows ist. Das Tool denkt weniger in „Design-Systemen“ und mehr in „Content-Produktion“.
Marketing-Stack-Logik:
Canva passt gut zu typischen Marketing-Stacks, weil es Inhalte schnell von „Design“ zu „Distribution“ bringt:
- Arbeiten mit Cloud-Dateien (z. B. Drive)
- schnelle Übergaben im Team
- einfache Freigaben und Bearbeitung ohne Tool-Schulung
- Publishing und Planung von Content direkt aus Canva heraus (je nach Setup)
Social-first Workflow:
Canva ist dort zu Hause, wo regelmäßig Content in vielen Formaten entsteht. Das Ökosystem ist darauf optimiert, dass:
- aus einem Design schnell mehrere Formatvarianten werden
- Teams schnelle Anpassungen machen können
- Brand-Kits die Basics absichern, damit nicht jeder „sein eigenes Blau“ nutzt
AI-Erweiterungen:
Canva integriert KI vor allem so, dass Content schneller produziert werden kann:
- Layout-Varianten auf Knopfdruck
- einfache Bildbearbeitung ohne Spezialsoftware
- schnelle Text- und Caption-Unterstützung
- visuelle Anpassungen für verschiedene Plattformen
Wenn Canva in Workflows glänzt:
- Marketingteams, Social Media, Sales Enablement
- Solo-Gründer mit hohem Content-Output
- Teams mit gemischter Design-Expertise
9.3 Vorlagen-Märkte: Figma Community vs. Canva Template Library
Viele Nutzer wählen Tools nicht wegen der reinen Features, sondern wegen der Frage: „Wie schnell komme ich zu einem guten Ergebnis?“
Hier spielen Vorlagen-Märkte eine zentrale Rolle, aber mit unterschiedlicher Logik.
Canva Template Library: Masse, Geschwindigkeit, Content-Formate
Canva ist Template-first. Die Library ist riesig und optimiert auf:
- Social-Formate (Posts, Stories, Ads)
- Präsentationen, Flyer, Onepager
- schnelle Anpassung und Wiederverwendung
- „gut aussehen ohne Designwissen“
Vorteil: extrem schneller Einstieg, sehr niedrige Hürde.
Nachteil: Gefahr, dass Designs generisch wirken, wenn man nur „Template tauschen“ macht.
Figma Community: Systeme, UI-Kits, Komponenten, Spezialwissen
Figma Community funktioniert anders. Statt „Poster-Vorlage“ finden Sie dort oft:
- UI-Kits und Design-System-Bausteine
- Components, Icons, Wireframe-Flows
- Templates für bestimmte Use Cases (z. B. SaaS Dashboard, Mobile Onboarding)
- Plugins und Ressourcen, die Workflows verbessern
Vorteil: hohe Qualität für Produkt- und UI-Arbeit, wiederverwendbare Systeme.
Nachteil: Einstieg ist weniger „fertig“, oft müssen Sie anpassen und verstehen, wie es gebaut ist.
9.4 Zukunftstrends: AI-Integration, Agentic AI, plattformübergreifende Workflows
2025/2026 wird immer deutlicher: Es geht nicht nur darum, ob ein Tool KI-Funktionen hat, sondern wie diese Funktionen in den Workflow eingreifen.
Trend 1: KI wird weniger „Feature“ und mehr „Assistent im Prozess“
- In Canva eher: Varianten, schnelle Anpassungen, automatische Content-Produktion
- In Figma eher: Strukturhilfe, Prototyping-Unterstützung, systematische Ableitung von UI-Bausteinen
Trend 2: Agentic AI (Handeln statt nur Vorschlagen)
Agentic AI bedeutet: Die KI macht nicht nur Vorschläge, sondern übernimmt Aufgaben über mehrere Schritte:
- erstellt Varianten, prüft Konsistenz, dokumentiert Änderungen
- passt Formate an, exportiert Assets, organisiert Dateien
- bereitet Übergaben vor (Design -> Dev oder Design -> Marketing)
In der Praxis werden Tools gewinnen, die Agentic AI so integrieren, dass sie echte Zeit spart, ohne Kontrolle zu verlieren.
Trend 3: Plattformübergreifende Workflows werden Standard Teams arbeiten selten nur in einem Tool. Typische Ketten sehen so aus:
- Figma (Design-System und UI) -> Dev Tools (Implementierung) -> Analytics (Optimierung)
- Figma (Brand-Basis) -> Canva (Content-Produktion) -> Social Scheduling (Distribution)
- Canva (Sales Deck) -> CRM/Hubspot (Vertrieb) -> Reporting (Performance)
Praktische Konsequenz:
Die beste Tool-Entscheidung ist oft eine Workflow-Entscheidung:
- Wenn Ihr Kernprozess „Produkt bauen“ ist, profitieren Sie stärker von Figmas Ökosystem.
- Wenn Ihr Kernprozess „Content skalieren“ ist, profitieren Sie stärker von Canvas Ökosystem.
- Wenn Sie beides tun, sollten Sie bewusst ein Hybrid-Setup bauen, statt zufällig zwischen Tools zu springen.
Kurzfazit zu Kapitel 9
- Figma ist stärker als Plattform für Produktteams: Plugins, Handoff, Design-Systeme und strukturierte Zusammenarbeit.
- Canva ist stärker als Plattform für Marketingteams: schnelle Produktion, Vorlagen, Sharing, Distribution und KI für Content.
- Der Trend geht klar Richtung KI-gestützter Workflows und Tool-Ketten statt isolierter Tools.
10. Blick in die Zukunft: Entwicklungstendenzen und Alternativen
Figma und Canva entwickeln sich seit 2025 spürbar in Richtung „Plattform“ statt „Tool“. Beide versuchen, mehr vom kompletten Prozess abzudecken. Die spannende Frage ist deshalb nicht: Wer gewinnt? Sondern: Welche Richtung passt besser zu Ihrem Workflow in 12 bis 24 Monaten?
Dieses Kapitel zeigt Entwicklungstendenzen und sinnvolle Alternativen, wenn Sie aus Preis-, Datenschutz-, Funktions- oder Workflow-Gründen wechseln wollen (oder müssen).
10.1 Figmas Richtung: Mehr No-Code-Features, erweiterte AI-Workflows
Figma war lange klar positioniert: UI/UX, Prototyping, Collaboration, Handoff. Seit 2025/2026 wird das Angebot breiter, mit einem Fokus auf „vom Design näher an die Umsetzung“.
Tendenz 1: Mehr No-Code und „Publish“-Workflows
Figma bewegt sich stärker in Richtung: Design nicht nur skizzieren, sondern schneller nutzbar machen.
- Prototyping wird „realer“ (mehr Interaktion, mehr Logik, weniger Klick-Dummy)
- Export- und Publish-Wege werden wichtiger (von Design zu Website oder interaktivem Asset)
Tendenz 2: KI wird struktureller
Figmas KI ist weniger „mach mir hübsch“, sondern eher „mach mir den Prozess schneller“:
- automatische Strukturierung von Layouts (z. B. bessere Auto-Layout-Strukturen)
- schnelleres Prototyping, weniger manuelle Routinearbeit
- mehr Unterstützung bei Design-System-Pflege (Konsistenz, Varianten, Dokumentation)
Tendenz 3: Figma als Zentrale für Teams
Figma bleibt am stärksten, wenn mehrere Rollen parallel arbeiten:
- Produktteams, Agenturen mit UI-Fokus, Unternehmen mit Design-Systemen
- stärkerer Fokus auf Governance, Libraries, Rechte und Skalierung
Was das für Ihre Entscheidung bedeutet:
Wenn Ihr Unternehmen digitale Produkte baut oder bauen will, ist Figma als „Zentrale“ sehr wahrscheinlich die langfristig sichere Wahl.
10.2 Canvas Richtung: Weiter in Richtung umfassende Kreativ-Suite
Canva expandiert seit Jahren aggressiv: Von Social-Grafik-Tool zu einer Suite, die möglichst viele Content-Formate abdeckt.
Tendenz 1: „Alles aus einer Hand“ für Content
Canva wird nicht nur ein Design-Tool, sondern eine Produktionsumgebung:
- mehr Video, mehr Animation, mehr Presentation-Features
- mehr Templates und Workflows für komplette Kampagnen
- stärkere Publishing- und Team-Workflows
Tendenz 2: KI als Content-Beschleuniger
Canva integriert KI vor allem so, dass Teams ohne Spezialwissen schneller produzieren:
- automatische Layout-Varianten
- schnellere Bildbearbeitung, Generierung, Anpassungen
- mehr „Assistenten“-Funktionen rund um Copy und Format-Optimierung
Tendenz 3: Richtung „Marketing Operating System“
Canva wird für viele Teams zum Ort, an dem Inhalte entstehen, freigegeben werden und in Distribution gehen. Für Marketing ist das attraktiv, weil es die Tool-Kette verkürzt.
Was das für Ihre Entscheidung bedeutet:
Wenn Ihr Fokus auf Content, Branding-Material und schneller Produktion liegt, ist Canva langfristig eher noch stärker in Ihrem Alltag verankert.
10.3 Emergierende Alternativen: Adobe Express, Visme, Kittl, Penpot
Nicht jeder braucht Figma oder Canva. Manchmal sind Alternativen sinnvoller, weil sie eine Lücke besser schließen oder weniger Kompromisse erzwingen.
Adobe Express
Wann es passt:
- Sie sind ohnehin in der Adobe-Welt
- Sie wollen einfache Content-Produktion mit Adobe-Logik
- Sie brauchen schnelle Social Assets, leichte Bearbeitung und Markenvorlagen
Wann nicht:
- wenn Sie tiefes UI/UX-Prototyping oder echte Design-Systeme brauchen
- wenn Ihr Team maximale Template-Masse wie bei Canva erwartet
Visme
Wann es passt:
- Fokus auf Präsentationen, Reports, Datenvisualisierung und Business-Content
- Sie brauchen ein Tool, das stärker „Business Dokumente“ denkt als „Social Design“
Wann nicht:
- wenn Ihr Output überwiegend Social Content in hoher Frequenz ist
- wenn Sie UI/UX und Handoff brauchen
Kittl
Wann es passt:
- Sie machen viel Typografie, Poster-Looks, Merch, Print-nahe Designs
- Sie wollen hochwertige, schnelle Gestaltung mit einem Fokus auf typografische Styles
Wann nicht:
- wenn Ihr Team primär Social Content standardisiert ausspielen will
- wenn Sie Produkt-UI designen müssen
Penpot (Open Source)
Wann es passt:
- Sie wollen eine Open-Source-Alternative zu Figma
- Sie haben Gründe wie Datenschutz, On-Premise oder Unabhängigkeit
- Sie brauchen UI/UX-Design und Collaboration, aber sind flexibel bei Komfort und Plugins
Wann nicht:
- wenn Sie auf sehr große Plugin-Ökosysteme angewiesen sind
- wenn Ihr Team „Figma-Tempo“ und Reifegrad erwartet
10.4 Für Profis: Adobe XD, Sketch, InVision (wann sie noch relevant sind)
Es gibt Tools, die im Mainstream deutlich an Bedeutung verloren haben, aber nicht komplett „tot“ sind. Relevant sind sie vor allem dann, wenn Sie in bestehenden Setups arbeiten oder Altprojekte betreuen.
Adobe XD
Wann noch relevant:
- Legacy-Projekte, die bereits in XD gebaut wurden
- Teams, die in der Vergangenheit stark auf XD gesetzt haben und nicht migrieren wollen
Wann nicht:
- wenn Sie neu starten und maximale Community-/Tool-Unterstützung brauchen
- wenn Sie moderne Collaboration-Workflows wollen, die heute Standard sind
Sketch
Wann noch relevant:
- Mac-only Umgebungen, die Sketch tief integriert haben
- Teams mit etablierten Libraries und Prozessen in Sketch
- Agenturen, die historisch mit Sketch arbeiten und keine Umstellung wünschen
Wann nicht:
- wenn Sie cross-platform arbeiten (Windows/Browser) oder externe Stakeholder einfach einbinden wollen
- wenn Echtzeit-Kollaboration im Kern steht
InVision
Wann noch relevant:
- in sehr spezifischen Legacy-Workflows (z. B. alte Prototypen, alte Boards)
- als Übergangsartefakt in Organisationen, die lange damit gearbeitet haben
Wann nicht:
- wenn Sie 2026 ein neues Setup für Prototyping und Collaboration bauen wollen
- wenn Sie ein Tool suchen, das sich dynamisch weiterentwickelt
Vergleichstabelle: Alternativen auf einen Blick
| Tool | Am besten für | Stärken | Grenzen | Wenn Sie von Canva/Figma kommen |
|---|---|---|---|---|
| Adobe Express | schnelle Content-Erstellung im Adobe-Umfeld | gute Integration, einfache Workflows | kein Ersatz für echtes UI/UX | Alternative zu Canva für Adobe-Nutzer |
| Visme | Präsentationen, Reports, Business Content | starke Business-Ausgabeformate | weniger Social-Tempo als Canva | Canva-Alternative für Business-Fokus |
| Kittl | Typografie, Print-Looks, Merch | starke Typo-Styles, schnelle Poster | kein UI/UX-Workflow | Ergänzung statt Ersatz |
| Penpot | UI/UX als Open Source | Unabhängigkeit, Kollaboration | kleineres Ökosystem | Figma-Alternative bei Compliance/OSS |
| Adobe XD | Legacy UI-Projekte | vorhanden in Alt-Stacks | geringe Zukunftsrelevanz | nur für Altprojekte sinnvoll |
| Sketch | Mac-basierte UI-Teams | etabliert in manchen Teams | weniger universell als Figma | sinnvoll, wenn Team schon drin ist |
| InVision | Legacy-Prototypen | Altbestand | kaum Zukunft | nur noch Übergang |
Kurzfazit zu Kapitel 10
- Figma bewegt sich weiter Richtung „Design -> Umsetzung“ und stärkt KI im professionellen Workflow.
- Canva wird noch stärker zur „All-in-One“-Suite für Content-Produktion.
- Alternativen sind besonders sinnvoll, wenn Sie einen klaren Schwerpunkt haben:
Business-Content (Visme), Typografie/Print (Kittl), Open Source/Compliance (Penpot). - Adobe XD, Sketch, InVision sind 2026 vor allem noch in Legacy-Setups relevant, weniger als neue Standard-Empfehlung.
11. Fazit: Werkzeugkasten statt Einheitslösung
Am Ende ist „Figma vs. Canva“ keine Glaubensfrage und auch kein Wettbewerb um das „bessere“ Tool. Es ist eine Frage nach Einsatzgebiet, Team-Setup und Output. Beide Tools sind stark, aber in unterschiedlichen Welten.
11.1 Zusammenfassung der Kernunterschiede
Canva ist am besten, wenn Sie schnell ansehnliche Ergebnisse brauchen, ohne sich tief in Design-Logik einarbeiten zu müssen. Es ist gebaut für Content-Produktion: Social Media, Kampagnenmaterial, Präsentationen, einfache Videos und einfache Websites.
Figma ist am besten, wenn Sie präzise digitale Interfaces bauen, im Team iterieren und sauber in Richtung Entwicklung übergeben müssen. Es ist gebaut für Produkt- und Interface-Design: Websites, Apps, Prototypen und Design-Systeme.
Kurz gesagt:
- Canva hilft Ihnen, schnell gut auszusehen.
- Figma hilft Ihnen, sauber zu bauen und zu skalieren.
11.2 Die wichtigste Frage: „Was will ich eigentlich erstellen?“
Wenn Sie nur eine Frage beantworten wollen, dann diese:
Was ist mein Haupt-Output in den nächsten 3 bis 6 Monaten?
Social Posts, Ads, Flyer, Präsentationen, schnelle Kampagnenassets?
Dann brauchen Sie ein Tool, das Produktion leicht macht - Canva.Website- oder App-UI, klickbare Prototypen, Design-Systeme, Zusammenarbeit mit Entwicklern?
Dann brauchen Sie ein Tool, das Struktur und Präzision liefert - Figma.
Diese Frage ist wichtiger als jede Feature-Liste, weil sie direkt auf Ihren Alltag einzahlt.
11.3 Abschließende Empfehlung basierend auf realistischen Use-Cases
Wenn Sie Solo-Gründer sind
- Ihr Alltag: viel Content, wenig Zeit, wenig Design-Ressourcen
- Empfehlung: Canva als Basis
- Ausnahme: Sie bauen ein digitales Produkt oder arbeiten eng mit Entwicklern - dann Figma (oder Hybrid)
Wenn Sie ein Marketing-Team sind
- Ihr Alltag: schnell produzieren, Formate anpassen, on-brand bleiben
- Empfehlung: Canva
- Optional: Figma nur dann, wenn UI oder Design-Systeme relevant werden
Wenn Sie ein Tech-Startup oder Produktteam sind
- Ihr Alltag: UI iterieren, testen, mit Entwicklung verzahnen
- Empfehlung: Figma
- Optional: Canva für Social Assets und Sales Decks
Wenn Sie eine Agentur sind
- Ihr Alltag: verschiedene Kunden, unterschiedliche Outputs
- Empfehlung: meist Hybrid
- Figma für UI/UX und Webdesign-Logik
- Canva für Marketing-Assets, die Kunden später selbst bearbeiten sollen
Abschlussgedanke
Die beste Lösung ist selten eine Einheitslösung. Die beste Lösung ist ein Werkzeugkasten.
Wenn Sie heute entscheiden müssen:
- Content und Marketing im Fokus: Starten Sie mit Canva.
- Produkt, UI und Skalierung im Fokus: Starten Sie mit Figma.
- Beides im Alltag: Setzen Sie auf Hybrid und definieren Sie klar, welches Tool wofür die Quelle der Wahrheit ist.
12. Figma vs Canva FAQ
Kann ich mit Canva professionelle UI/UX-Designs machen?
Kurzantwort: Für echte UI/UX-Arbeit nur sehr eingeschränkt.
Canva kann aussehen lassen wie „UI“, aber professionelle UI/UX-Arbeit ist mehr als hübsche Screens:
- Sie brauchen pixelgenaue Kontrolle, konsistente Abstände, Typografie-Systeme
- Sie brauchen Komponenten, Varianten, Zustände (Hover, Disabled, Error)
- Sie brauchen responsive Logik (Constraints, Auto-Layout)
- Sie brauchen Prototyping, User-Flows und sauberen Developer-Handoff
Canva ist dafür nicht gebaut. Für sehr einfache Mockups oder schnelle Visuals reicht es manchmal, aber sobald es um ein digitales Produkt geht, laufen Sie schnell in Grenzen und Workarounds.
Praxisregel:
- Mockup für Pitch, schnell und hübsch: Canva kann reichen
- Echte Produkt-UI, die entwickelt werden soll: Figma
Ist Figma für Social-Media-Inhalte überdimensioniert?
Oft: ja. Nicht weil Figma es nicht kann, sondern weil es dafür meist unnötig komplex ist.
In Figma können Sie natürlich Social Posts gestalten. Aber:
- Sie starten häufiger „von null“ statt aus einer Template-Welt
- Export und Formatvarianten sind weniger „Content-first“ als in Canva
- Wenn mehrere Nicht-Designer im Team editieren sollen, wird es zäher
Wann Figma trotzdem Sinn macht für Social:
- Sie wollen maximale Brand-Kontrolle und sehr konsistente Layouts
- Sie bauen Social Templates als Teil eines Design-Systems
- Ihr Team arbeitet ohnehin den ganzen Tag in Figma und die Inhalte sind eher „Design-lastig“
Praxisregel:
- Hohes Content-Volumen, schnelle Produktion: Canva
- Design-getrieben, sehr präzise, stark gebrandet: Figma (oder Hybrid)
Kann ich Designs zwischen den Tools migrieren?
Ehrlich: Nur begrenzt und selten „schmerzfrei“.
Es gibt keinen perfekten „1:1“-Transfer, weil beide Tools unterschiedlich aufgebaut sind:
- Canva arbeitet stark template- und asset-basiert
- Figma arbeitet komponenten- und system-basiert
Was in der Praxis gut funktioniert:
- Assets übertragen: Logos, Icons, Bilder, Farbwerte, Schriftarten
- Style-Guides übernehmen: Farbpalette, Typo-Regeln, Abstände als Referenz
- Design nachbauen: Sie nutzen das alte Design als Vorlage und bauen es im neuen Tool sauber neu
Was meistens nicht gut funktioniert:
- Komplexe Layouts, Komponenten-Logik, Interaktionen, Zustände
- Vollständige Editierbarkeit nach Transfer ohne Nacharbeit
Praxisregel:
Wenn Sie wechseln, planen Sie eher mit „Neuaufbau mit Referenz“ statt „Migration per Klick“.
Welches Tool hat die bessere AI-Integration?
Kommt darauf an, wofür Sie KI nutzen wollen.
Canva: KI ist stark für Content-Produktion
Zum Beispiel: Layout-Varianten, schnelle Bildbearbeitung, Hintergründe, einfache Design-Generierung, Textunterstützung.Figma: KI ist stärker als Workflow-Hilfe für Profis
Zum Beispiel: Struktur, Prototyping-Unterstützung, systematische Arbeit mit Design-Systemen, Vorbereitung für Handoff.
Praxisregel:
- Wenn Sie KI wollen, die Ihnen Designs schnell erzeugt und ausspielt: Canva
- Wenn Sie KI wollen, die Ihnen professionelle Designarbeit beschleunigt: Figma
Was, wenn mein Team gemischte Anforderungen hat?
Dann ist die beste Lösung sehr oft: Hybrid, aber mit klaren Regeln.
Typisches Setup:
- Figma für alles, was Produkt, UI, Webdesign-Logik, Design-System betrifft
- Canva für alles, was Marketing-Output, Social, Kampagnenmaterial, Präsentationen betrifft
Die wichtigste Regel im Hybrid-Setup:
Definieren Sie eine Quelle der Wahrheit für Brand-Assets:
- Farben, Schriften, Logos, Komponenten oder Grundlayout kommen aus einer definierten Quelle (oft Figma)
- Canva bekommt daraus ein gepflegtes Brand-Kit und Templates, damit das Marketing schnell arbeiten kann
Wenn Sie nur ein Tool nehmen dürfen:
- Content-dominiert, viele Nicht-Designer im Team: Canva
- Produkt-dominiert, Design + Dev arbeiten eng: Figma
